“Der schöne Mann” von Joachim Kurz (Rezension)
- Posted by mgr on March 11th, 2010 filed in BIBLIOTHEK, Rezensionen
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Playboys, Dandys, Lebenskünstler stellt Joachim Kurz in seinem Buch Der schöne Mann, erschienen im Knesebeck Verlag, vor. In dem reich bebilderten, optisch ansprechenden Band stellt der Autor in acht Kapiteln, in welchen die verschiedenen Spielformen des schönen Mannes dargestellt werden, jeweils zwei Vertreter der Gattung vor, Original vs. Epigone, um den Einfluss des als verloren postulierten Rollenbildes des Dandys auf die heutige Männerwelt deutlich zu machen.
Kurz streift von der Literatur über die Kunst zum Schauspiel und schließlich zum Pop, widmet sich erfreulicherweise dem oftmals vernachlässigten Aspekt des deutschen Dandytums, um schließlich über den Playboy beim Metrosexuellen zu enden. Den Auftakt macht natürlich der Ur-Dandy Brummell, dessen Legendenbildung leider unreflektiert von Kurz übernommen wird. So ist die Brummell nachgesagte Beschäftigung dreier Friseure (einer für den Hinterkopf, einer für die Stirn, einer für die Seiten) sicher in den verklärenden Bereich der Fiktion zu verbannen, ebenso wie Brummells angebliche Asexualität, die in der kürzlich von Ian Kelly vorgelegten Studie Brummell. The Ultimate Man of Style stichhaltig widerlegt wurde. Als Brummells Epigonen postuliert Kurz den Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der dem Beau zuletzt in seiner Frühjahrskollektion 2009 “Belle Brummell” Hommage leistete. Ähnliche Referenzen an ein Original entdeckt Kurz in Sebastian Horsley, der zuletzt mit seiner fulminanten Autobiographie Dandy in the Underworld für Furore sorgte. Horsleys großes Vorbild ist der irische Dichter Oscar Wilde, dem er in sartorialer wie stilistischer Raffinesse in nichts nachsteht.
Richtig spannend wird es jedoch, wenn sich Kurz Erscheinungen widmet, die in der bisherigen Dandyforschung vernachlässigt wurden (es bleibt leider zu konstatieren, dass moderne Vertreter des Dandyismus auffallend selten zum Gegenstand akademischer Untersuchungen gemacht werden, ein Umstand, der hoffentlich bald behoben wird). Da wären zum einen die Künstler Andy Warhol und Markus Lüpertz, zum anderen die Schauspieler Cary Grant, auch er ein Meister des dandystischen Rollenspiels, sowie Rupert Everett. Kurz versteht es, in seinem Panorama schöner Männer interdiskursive Bezüge herzustellen, die aus dem Nebeneinander ein zusammenhängendes Netz spinnen. So verweist er auf Everetts Hingabe an Oscar Wilde und Cary Grants Absage an das Rollenangebot des James Bond. Dieser fiktive Playboy bildet ebenfalls einen Gegenstand der Untersuchung, wobei es Kurz nicht verfehlt, auf die autobiographischen Verwurzelungen bei Ian Fleming selbst zu referieren (im Übrigen findet sich auch in Rupert Everetts Ahnengalerie ein berühmt-berüchtigter Doppelagent).
Auch der oftmals als einziger deutsche Dandy postulierte, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, »Prince Pickle«, bleibt nicht unerwähnt, dessen Leben Kurz in fesselnden Worten nachzeichnet.
Anschließend widmet sich der Autor dem Leben des deutschen Playboys Arndt von Bohlen und Halbach, dessen exzentrisches Leben an die Manien des Märchenkönigs Ludwig II. gemahnt. Der Playboy par excellence bleibt jedoch Porfirio Rubirosa, dessen Leben so spannungsreich ist, dass es einer Verfilmung harrt. Dass auch die Popkultur keinen Mangel an Dandys zu beklagen hat, zeigt sich im letzten Kapitel. Über David Beckhams Dandy-Qualität bleibt zu streiten, doch den Rapper André Benjamin versteht der Autor überzeugend als Dandy zu porträtieren. Etwas problematisch wirkt wiederum Kurz’ Postulierung David Bowies als »wahrscheinlich größten Dandy« im Popgeschäft, an die sich die Behauptung anschließt, Morrissey - ein weiterer großer Verehrer Wildes - sei der »vielleicht größte Dandy der Popgeschichte«. Auch der Titel des Buches ist kritisch zu betrachten, suggeriert er doch eine Oberflächlichkeit, welche die Dandy-Forschung in den letzten Jahren zu widerlegen bemüht war und die auch den biographischen Skizzen des Bandes (erfreulicherweise) nicht eignet. Alles in allem ist Der schöne Mann jedoch ein spannungsreiches Buch und ein gelungenes Panorama der Dandy-Epigonen des 20. und 21. Jahrhunderts!
Der schöne Mann von Joachim Kurz erschien im März 2010 im Knesebeck Verlag
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