Arthur de Rochefide

Während seine Frau die Bürde der Liebe und der Mutterschaft zu tragen hatte, erfreute sich Rochefide eines ungeheuren Reichtums, den er jedoch ebensowenig verschwendete wie seinen Geist. Seine plumpe Eitelkeit war schon dadurch befriedigt, daß er als schöner Mann galt und diesem Umstand einige Erfolge verdankte, auf die er sich berief, um die Frauen geringschätzig zu behandeln, und tat sich auch im Bereich der Intelligenz keinen Zwang an. Mit jener Art Geist begabt, die man reflektierend nennen muß, eignete er sich die glücklichen Einfälle anderer an, Geistesblitze aus Theaterstücken oder kleinen Zeitschriften, und zwar durch die Art, sie wiederzugeben; er schien sich darüber lustig zu machen, er wiederholte sie als Karikatur, er wandte sie wie Rezepte der Kritik an; mit einem Wort, seine Soldatenfröhlichkeit (er hatte in der Königlichen Garde gedient) würzte so angemessen die Unterhaltung, daß die geistlosen Frauen ihn zum geistreichen Mann erklärten und die anderen nicht zu widersprechen wagten. Dieses System verfolgte Arthur in allem; er verdankte der Natur die bequeme geistige Fähigkeit der Nachahmung, ohne äffisch zu sein, er ahmte auf eine gesetzte Weise nach. Daher konnte er sich, obwohl ohne Geschmack, die Moden stets als erster aneignen und sich stets als erster von ihnen trennen. Er stand in dem Ruf, ein wenig zuviel Zeit auf seine Toilette zu verwenden und ein Korsett zu tragen, und war das Musterbeispiel jener Leute, die nie jemandem mißfallen, da sie unaufhörlich jedermanns Ansichten und Torheiten zu ihren eigenen machen, und die, weil sie sich stets den Umständen anpassen, nicht altern.

Mitglied aller Klubs, Unterzeichner aller Albernheiten, die falsch verstandener Patriotismus oder Parteigeist zur Welt bringt - eine Gefälligkeit, die ihn bei jeder Gelegenheit in die erste Reihe stellte- mußte sich dieser biedere, brave und höchst einfältige Ehemann, dem leider so viele geistreiche Leute gleichen, natürlich durch irgendeine Modemanie auszeichnen wollen. Er rühmte sich daher hauptsächlich, der Sultan eines Serails von Vierfüßern zu sein, das von einem alten englischen Stallmeister verwaltet wurde und monatlich vier- bis fünftausend Francs verschlang. Seine Spezialität waren Rennen, er hielt auf Rassepferde und unterstützte eine Zeitschrift über Pferdezucht; dennoch verstand er sich nur mäßig auf Pferde und überließ vom Zügel bis zu den Hufeisen die Entscheidung seinem Stallmeister.

Quelle: Honoré de Balzac: Béatrix. Berlin/Weimar: Aufbau Verlag, 1966.

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