Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Eugène de Rastignac

| Keine Kommentare

Eugen von Rastignac ist einer jener sehr gescheiten jungen Leute, die alles versuchen und den Eindruck machen, als tasteten sie die Menschen ab, um zu erfahren, was die Zukunft bringt. Während er das Alter des Ehrgeizes abwartet, macht er sich über alles lustig, er besitzt geistige Eleganz und Selbständigkeit, zwei Eigenschaften, die darum so selten sind, weil sie einander ausschließen.

Quelle: Honoré de Balzac: Pariser Novellen. Berlin, Rowohlt, o.J.

Rastignac … junge Lebemann .. Prise attischen Stolzes (…) Rastignac, der nicht der Mann dazu war, eine Beleidigung hinunterzuschlucken, stand da wie vom Blitz getroffen und ließ sich von einer Eisenhand, die abzuschütteln ihm unmöglich war, in einer Fensternische führen

Quelle: Honoré de Balzac: Glanz und Elend der Kurtisanen. Goldmann, München: 1985.

Eugène de Rastignac gehört zu den höchst gescheiten jungen Leuten, die es mit allem versuchen und die die Menschen abzutasten scheinen, um zu erfahren, was die Zukunft bringt. Bis er in das Alter des Ehrgeizes kommt, mokiert er sich über alles; er besitzt Anstand und Originalität, zwei seltene Eigenschaften, weil eine die andere ausschließt.

Quelle: Honoré de Balzac: Béatrix. Berlin/Weimar: Aufbau Verlag, 1966.

Rastignac (…) Er sprach von der Schwindelei. Mit dem liebenswürdigen Schwung, der ihn so verführerisch macht, bewies er mir, daß alle Männer von Genie Schwindler seien (…) »Die Dummköpfe«, rief er, »nennen dieses Geschäft intrigieren, die Moralisten ächten es mit dem Wort Lebensverschwendung; aber halten wir uns nicht mit den Menschen auf, sondern schauen wir auf die Ergebnisse. Du arbeitest also? Gut und schön, dann wirst du es nie zu etwas bringen. ich dagegen bin zu allem fähig und zu nichts zu gebrauchen, faul wie ein Hummer – und eben deshalb werde ich alles erreichen. Ich mache mich breit, ich dränge mich vor, man macht mir Platz; ich rühme mich und man glaubt mir; ich mache Schulden und man bezahlt sie! Die Verschwendung, mein Lieber, ist ein politisches System. Das Leben eines Mannes, der damit beschäftigt ist, sein Vermögen durchzubringen, wird häufig zu einer Spekulation; er legt sein Kapital in Freunden an, in Vergnügungen, in Protektionen und in Bekanntschaften. (…) Der Verschwender dagegen genießt das Leben und läßt seine Pferde laufen. Sollte er sein Geld zufällig verlieren, so bekommt er Gelegenheit, Generalsteuereinnehmer zu werden, sich gut zu verheiraten oder Attaché eines Ministers oder eines Gesandten zu werden. Nach wie vor hat er Freunde, einen Ruf und immer Geld. Er kennt die Triebfedern der Gesellschaft und weiß sie zu seinem Vorteil zu nutzen.«

»Wie alle jungen Leute habe auch ich über den Selbstmord nachgedacht. Wer von uns hätte sich mit dreißig Jahren nicht schon ein paarmal umgebracht? Ich habe nichts Besseres gefunden, als das Dasein durch das Vergnügen aufzubrauchen. Stürz dich in den Abgrund der Ausschweifung, und du oder deine Liebe werden darin umkommen. Die Maßlosigkeit, mein Lieber, ist die Königin aller Todesarten. Gebietet sich nicht über den niederschmetternden Schlaganfall? Der Schlaganfall, das ist ein Pistolenschuß, der uns trifft. Die Orgien überschütten uns mit allen Freuden des Leibes; ist das nicht Opium in kleiner Münze? Indem die Ausschweifung uns zwingt, maßlos zu trinken, fordert sie einen tödlichen Zweikampf mit dem Wein heraus.«

Quelle: Honoré de Balzac: Das Chagrinleder. Stuttgart: Reclam, 1991.

»Nun, ich, ich liebe aus vielen andern Gründen. Sie ist eine Marquise d’Espard, sie ist eine geborene Blamont-Chauvry, sie ist in Mode, sie hat einen ebenso hübschen Fuß wie die Herzogin von Berry, sie besitzt vielleicht hunderttausend Franken Rente, und eines Tages werde ich sie vielleicht heiraten, kurz, – sie soll meine Schulden bezahlen! (…) Deine Frau voll Liebe führt zu nichts, eine Frau der großen Gesellschaft zu allem, sie ist der Diamant, mit dem ein Mann alle Fensterscheiben durchschneiden kann, wenn er nicht den goldenen Schlüssel besitzt, vor dem sich alle Türen öffnen.«

Quelle: Honoré de Balzac: “Die Entmündigung” In. Ders.: Die Grenadière. Zürich: Diogenes.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*