Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Robert de Tressignies

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Gegen Ende der Regierungszeit des Louis-Philippe durchschritt eines Abends ein junger Mann die Rue Basse-du-Rempart. Der hier in Rede stehende, übrigens sehr elegant gekleidete junge Mann, der jenen Weg eingeschlagen hatte, welcher für ihn nicht der gerade Weg der Tugend sein mochte, hatte ihn nur erwählt, weil er eine Frau verfolgte, die ohne Zaudern und ohne Befangenheit in das verdächtige Dunkel dieses Gäßchens eingedrungen war. Der junge Mann war ein Dandy – ein “Gant jaune”, wie man die Dandys jener Zeit nannte. – Er hatte ausgiebig im Café de Paris gespeist und dann, an seinem Zahnstocher kauend, an der Brüstung von Tortoni (jetzt abgebrochen) gelehnt, und von da lässigen Blickes die Frauen verfolgt, die auf dem Boulevard vorüberkamen. Trotzdem der junge Mann, der sich Robert de Tressignies nannte, aufs äußerste blasiert war und soeben aus dem Orient zurückkam – wo er die Gattung Weib in allen Spielarten und Rassen kennengelernt -, war er der nächtlichen Spaziergängerin doch gefolgt, als sie das fünfte Mal vorüberkam, “hündisch” gefolgt, wie er sich selbst verspottend sagte, den er hatte die Fähigkeit, sich selber zuzuschauen und seine Handlungen zu beurteilen, ohne daß sein Urteil, das sehr häufig im Widerspruch zu seinen Handlungen stand, dieselben verhindert oder seine Handlungen sein Urteil getrübt hätten: eine furchtbare Asymptote! – Tressignies war über Dreißig. Er war ein bereits abgekühlter und sehr komplizierter Libertin dieses nüchternen Zeitalters – ein sehr verstandesbetonter Libertin, der genugsam über seine Gefühle nachgedacht hatte, um nicht mehr von ihnen genarrt zu werden, und vor nichts Angst oder Abscheu empfand.

Quelle: Jules Amédée Barbey d’Aurevilly: “Die Rache einer Frau.” In: Die Teuflischen.

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