Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Mademoiselle des Touches

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Eine Frau von zweideutigen Sitten, mit Theaterstücken beschäftigt, dauernd mit Komödianten und Komödiantinnen zusammen, eine Frau, die ihr Vermögen mit Zeitungsschreibern, Malern, Musikern, kurzum in Gesellschaft des Teufels durchbringt! Eine richtige Gauklerin, die seit ihrer ersten Kommunion nur in Kirchen gegangen ist, um sich darin Statuen oder Bilder anzusehen.
Dieses Zwittergeschöpf, das nicht Mann, nicht Frau ist, das qualmt wie ein Husar und schreibt wie ein Journalist. Sie hat Liebesabenteuer gehabt, mit mehreren Männern, diese Ruchlose.

Mme des Touches hat unseren lieben Calyste seit einem Jahr sehr verändert hat – wodurch? Er liest alle möglichen Bücher.
Sie ist eine Künstlerin, sie hat Genie und führt ein Ausnahmedasein, das man nicht wie ein gewöhnliches Dasein beurteilen kann – nichts kann eine Frau davon entbinden, sich so aufzuführen, wie die Kirche es will. Sie versäumt ihre Pflichten gegen Gott, gegen die Gesellschaft, indem sie die sanfte Frömmigkeit ihres Geschlechts verleugnet. Eine Frau macht sich schon der Sünde schuldig, wenn sie ins Theater geht; aber Gottlosigkeiten schreiben, die von den Akteuren wiederholt werden, und in der Welt umherziehen, bald mit einem Feind des Papstes, bald mit einem Musiker, ach! Für den Abbé Grimont bildete dieses ungeheuerliche Geschöpf, das etwas von der Sirene und vom Atheisten hatte, eine unmoralische Verbindung von Frau und Philosoph und verging sich an allen Gesetzen, die von der Gesellschaft erfunden waren, um die Schwächen des schönen Geschlechts im Zaum zu halten oder auszunutzen.
Sie erwartete irgendeinen Austausch von Gedanken, Verlockungen im Einklang mit der Erhabenheit des Geistes, mit dem Umfang ihrer Kenntnisse; sie empfand Ekel, als sie die Gemeinplätze der Unterhaltung hörte, die Albernheiten der Galanterie, und fühlte sich besonders abgestoßen von der Adelsherrschaft der Militärs, denen sich damals alles unterordnete.
»In dieser Hinsicht bin ich überhaupt nicht Frau. Kinder sind mir unerträglich, sie bereiten tausend Verdrießlichkeiten und ständige Besorgnis. Daher meine ich, einer der größten Segnungen der modernen Gesellschaft, deren uns dieser Heuchler Jean-Jacques beraubt hat, war es, daß uns freigestellt wurde, ob wir Mütter sein wollen oder nicht. Wenn ich auch nicht die einzige bin, die so denkt, bin ich doch die einzige, die es ausspricht.«

Mademoiselle des Touches ist die Urheberin all unserer Leiden. Die ihn seiner Familie abspenstig gemacht, die ihn uns entrissen hat, die ihn gottlose Bücher hat lesen lassen, die ihn eine ketzerische Sprache gelehrt hat.

Quelle: Honoré de Balzac: Béatrix. Berlin und Weimar, 1966.

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