Der Prinz von Sagan erschien dort oft. Ein Komödiant, tapfer, liebenswürdig, vornehm, aber ohne Schwung, zeichnete er sich durch äußerste Eleganz aus. Er hatte das Air eines Grandseigneurs und gleichzeitig etwas von dem Schauspieler Gil-Pérès an sich. Er war ein rechter Diplomat, sehr unwissend und ohne Verständnis für wertvolle Dinge, besaß aber einen eigenen “chic”, der sich in seinem ganzen Wesen, seinen Bewegungen, seinen Anzügen, selbst noch in dem schwarzen Bande seines Lorgnons ausdrückte. Hervorragend verstand er die Kunst, den Frauen zu huldigen; er zeigte sich ihnen dienstbeflissen, katzenhaft, ohne Treu und Glauben. Er beherrschte in Paris nicht nur eine Menge von Personen der großen Welt, sondern auch viele zweifelhafte Existenzen. Wirklicher Prinz und Prinz der Mode, hatte er sowohl vom Pair Frankreichs als vom “compère” der Revue etwas an sich.
Quelle: Boni de Castellane: Wie ich Amerika entdeckte. Berlin: Verlag für Kulturpolitik, 1926: 81.
Er hat mir immer Freundschaft bewiesen. Ich war aber auch immer ganz besonders liebenswürdig zu ihm, denn ich bewunderte sein pompösees Auftreten und seine guten Manieren. Ihm wieder machte der Luxus Spaß, der mich umgab, und er bezeichnete mich zu seinem Nachfolger als arbiter elegantiarum.
Mit mir nahm er sich Freiheiten heraus, die er sich mit niemandem sonst hätte erlauben dürfen. Eines Tages, als ich zufällig in der Avenue de Bois, am Arc de Triomphe, genauer an dem Orte, den man Cercle des Pannés nennt, vorbeikam, sah ich meine Pferde vor eine schöne Kalesche gespannt auf und ab fahren. Der Prinz von Sagan hatte sie, ohne mich zu fragen, ausfahren lassen, damit er eine Augenweide habe. In meinen Ställen stand ein Vollblut, das ihm einer seiner Freunde, ein Araber, geschenkt hatte. Im Frühling ritt er jeden Morgen dieses fast ganz weiße Pferd mit langem Schweife. Er trug dabei eine Redingote aus belgischem Leinen, eine Nelke im Knopfloch, eine schwarze, mehrmals um den Hals geschlungene Kravatte, einen grauen Zylinder und weiße Handschuhe. (…)
Der Prinz von Sagan benötigte keine äußeren Mittel, um eine Rolle zu spielen. Nicht seine Kleider (…) verliehen ihm seine Eleganz, sondern seine vornehme Persönlichkeit.
Er zog alle Blicke auf sich und sah wie ein alter Löwe aus, den alles Mißgeschick nicht niederwerfen konnte.
Er trug eine übermütige, hochnäsige Miene zu Schau, führte eine gewählte Sprache, war Frauen gegenüber außerordentlich höflich und einer der seltenen Männer, die auch aus nichts etwas zu machen erstehen.
Von seiner Frau, die ein großes eigenes Vermögen besaß, lebte er seit dreißig Jahren getrennt. Er selbst hatte nichts und wurde von seinen Gläubigern sehr gequält. Trotzdem bewohnte er über dem Klub der Rue Royale eine sehr hübsche Wohnung, die er wertvoll eingerichtet hatte. (…)
Seine Meinung war vielen Leuten maßgebend, und man holte of seinen Rat ein. Er empfing bei sich Großfürsten und Fürsten, die nach Paris kamen.
Von seinen Fenstern übersah er den schönsten Teil von Paris, und sein durchdringender Blick schien in dieser Stadt des Lichtes alles zu suchen, was glänzte und leuchtete .
Quelle: Boni de Castellane: Wie ich als armer Mann Paris entdeckte. Berlin: Verlag für Kulturpolitik, 1926: 26ff.