Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Graf Hélie de Périgord, Prince de Sagan (1859-1937)

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Nach dem Tode seines Großvaters war Graf Hélie de Périgord Prince de Sagan geworden, während sein Vater, der berühmte Prinz, mein Onkel, die Titel eines Herzogs von Talleyrand und Herzogs von Sagan geerbt hatte. (…) Er erscheint mir wie ein Renaissancemensch: außerordentlich zähe, von durchdringender Intelligenz und zu allem fähig. (…) Aber ich hätte wissen müssen, daß er charakterlos sei und ihm daher kein Mittel zu schlecht sein würde, daß er die Welt eher in Erstaunen setzen, als zur Bewunderung zwingen werde.
Er ist groß, schlank, elegant, hat feine Gliedmaßen, die Allüren eines Grandseigneur, eine lange, spitze Nase, schmale Lippen und schlaue Augen, die immer irgendwelche Kombinationen zu ersinnen scheinen. Niemals schaut er der Person, mit der er spricht, ins Auge. Seine Haare sind in frühester Jugend grau geworden. Er trägt ein Monokle am breiten schwarzen Bande wie sein Vater, dem er überhaupt in gewissen Beziehungen gleicht. Von seiner Mutter hat er das Vornehme in seinem Äußeren. Doch etwas an ihm erinnert selbst jetzt, wo er in behaglichem Reichtum sitzt, an eine fragwürdige Existenz.
Seine Reisen sind Farcen gewesen, seine finanzielle Lage erschien verzweifelt und seine Gesundheit war ruiniert. Mit einem Wort, er war schwer belastet.
Ein gewisser Atavismus ließ ihn zu konservativen Ideen hinneigen. So war er manchmal Reaktionen unterworfen, die bei einem Manne überraschen mußten, der sonst seine Handlungen nicht nach seinen Ideen einzurichten pflegte.
Er hatte keinen wahren Glauben, das bewies er, indem er seine Religion verriet, um Mme. Gould heiraten zu können. (…) Er lebte zurückgezogen, ohne feste Wohnung, ständig von seinen Gläubigern verfolgt, denen er mit halb kindischen, halb pikanten Mitteln zu entgehen trachtete, von seiner Familie gehaßt, von der Gesellschaft wenig gesucht und nur von einigen guten, naiven Seelen beklagt.
Seine Schulden waren phantastisch.

Quelle: Boni de Castellane: Wie ich als armer Mann Paris entdeckte. Berlin: Verlag für Kulturpolitik, 1926: 25f.

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