Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Boni de Castellane (1867-1932)

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Auszüge aus den Erinnerungen von Boni de Castellane

Boni de Castellane (1867-1932)

Da ich weder Petronius noch Brummel war, wie man mir manchmal nachsagte, ja nicht einmal der “König der Hallen”, habe ich mit damit zufrieden gegeben, “Ich selbst” zu sein.

Die wirkliche Macht aber liegt einzig und allein im Charakter. DieseÜberzeugung macht meine Originalität aus. Reich oder arm, jung oder alt, im Kriege wie im Frieden bin ich meiner Art treu geblieben.

…wandle durch unsere Zeit rasenden Fortschritts, ohne mich von den Umwälzungen beirren zu lassen, die er mit sich bringt. Das allein genügt, um mir inmitten hastender Menschen und wechselnder Anschauungen einen besonderen Platz zu sichern.
Vom Ehrgeiz getrieben unterwerfen sich die Menschen meiner Kaste oft den wechselnden Strömungen einer aufgewühlten öffentlichen Meinung, während ich, der ich mich nicht um den Glanz von Würden reiße, mich angesichts des offenkundigenÜbergewichtes des Materiellen über die Moral an die ewigen Ideen klammere, die meine Erziehung mir eingeimpft hat. Darum habe ich seit meiner frühesten Jugend zwischen mir und vielen meiner Altersgenossen so oft eine undurchdringliche Wand errichtet gefunden.
Hinter dem Äußeren von Eleganz und Luxus verbirgt sich bei mir eine zähe Willenskraft.
Die Paläste, Jachten, Schlösser, Pferde, Automobile und Kunstschätze, die ich einst mein Eigen nannte, sind aus meiner Erinnerung gestrichen. Habe ich mich doch der Erfüllung höherer Aufgaben zugewendet!

Im gleichen Maße, wie sich mein Familienleben umgestaltete, haben sich auch die Verhältnisse in der Gesellschaft geändert. Alle Macht kam jetzt von unten. Der Wille der Massen ersetzte den der Auserkorenen; Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zerstörten Ordnung, Einteilung und Disziplin. Eine närrisch gewordene Welt kehrte das Unterste zu oberst. Neue Sitten überrannten alte Gebräuche, und von Minute zu Minute wuchs die Unordnung, in der unser altes Europa zugrunde geht.

Ende Januar reisten wir zusammen im private-car George Goulds, begleitet von Miß Kitty Cameron, Miß Pomeroy, Charles-Raoul Duval, Dick Potters und einigen anderen Freunden, nach Kanada.
Ich hatte noch niemals einen private-car gesehen. Meine extravagante Natur gewöhnte sich schnell an die luxuriöse Art eines solchen Beförderungsmittels. Es gab darin einen Salon, ein Boudoir und einen Speisesaal. Das Diner wurde von Negern serviert, die in weißes Leinen gekleidet waren. Jeder Raum war mit allem Komfort versehen.

Die Vorsehung hatte meine Eltern mit Wohltaten überschüttet. Beide entstammten alten Familien und besaßen außer dem Vorrecht der Geburt Intelligenz und Vermögen.
Meine Familie, aus der Provence stammend, ist in der Geschichte dieses Landes bis in die ältesten Zeiten zu verfolgen. Meine Ahnen hatten das Münzrecht. Schade, daß ihre Nachkommen es nicht mehr haben.
Meine Großmutter, eine geborene Pauline de Périgord, wuchs in einem Palast in der Rue Saint Florentin unter den Augen ihres Onkels, des Prinzen Talleyrand, auf.
Meine Urgroßmutter, die Herzogin von Dino (…) schrieb hier ihre Erinnerungen (…) Sie wurden vor zehn Jahren von ihrer Enkelin Prinzessin Radziwill, meiner Tante, veröffentlicht.

Der schlechte Geschmack war der Ausdruck der geistigen Verwirrung geworden, die nach dem ancien régime um sich griff.
Es war damals Mode, daß die vornehm Welt und die großen Kokotten sich vor dem Diner in der Avenue des Acacias zeigten. Uns interessierten natürlich mehr die Damen der Halbwelt, die sich in eleganten Equipagen zur Schau stellten.

Meine Unabhängigkeit schuf mir Feinde, was nicht hinderte, daß ich gesucht wurde. Ich hatte es nicht nötig, den Schwanz meines Hundes abzuschneiden, um von mir reden zu machen. Ich wurde verwöhnte und besprochen. Das war eine Art von Erfolg, der mir aber keinen Vorteil brachte. Auch hielt man mich für einen Poseur.
Künstler zogen mich ebenso an wie Schriftsteller, und ich bewegte mich in jener künstlerischen und verführerischen Welt, die man nur in Paris findet.
Besonders das Foyer der Comédie Francaise sagte mir zu. Es verlangte Haltung. Der Frack war dort vorgeschrieben. Die Portraits und Möbel schufen die Atmosphäre eines Palais des Faubourg Saint-Germain, und die Kostüme der Schauspieler gaben den mit den Büsten von Berühmtheiten geschmückten Wandelgängen ein besonderes Gepräge. Man war dort frei und doch zurückhaltend. Die Damen dieses Theaters hielten eine Art Hof, wo sich Geist und Luxus mit Koketterie verbanden.
Es gab noch enige Häuser – ein matter Abglanz des ancien régime -, wo sich Einfachheit und feiner Anstand paarten. Man mußte sie besuchen, wenn man gut angesehen sein wollte. Einige liebenswürdige alte Damen pflegten an bestimmten Tagen ihre Salons offenzuhalten (…) Stolz und aufrecht wie die Pfeiler einer Kathedrale, hielten sie sich selbst für die Säulen der Gesellschaft; und sie hatten damit nicht so unrecht, denn sie bewahrten ihr wenigsten den guten Ton, den die Zügellosigkeit der Sitten von heute aus den Salons verdrängt hat.
Da es keinen Hof gab, der dem mondänen Orchester hätte den Ton angeben können, machte der Takt sowohl in der Gesellschaft als auch in der Ideenwelt einer Kakophonie Platz.
Man begann, die “halls” der großen Hotels den Salons der guten Gesellschaft vorzuziehen.

Auch in der Provinz wandelte sich der Geschmack. Einstmals liebten dort die Leute unseres Ranges die Pferde, die Jagd und das Leben mit den Landleuten. Die Parforcejagd war ein Vorrecht der Herrschaft (…) Das wunderbare Vergnügen wird bald so unmodern sein wie die Turniere der Renaissance. – Das Pferd – “die edelste Eroberung, die der Mensch je gemacht hat” – wird nur mehr als Mittel zu dem Zwecke geschätzt, bei den Rennen Geld zu gewinnen. Seine Arbeit wird durch Maschinen ersetzt. – Das Schloß ist ein mehr oder weniger mit Gästen besetztes Hotel geworden; sein Bauwerk verfällt. – die Bauern sind gleichgültig oder gar feindselig geworden.
So habe ich denn nach dem nationalen Unglück, das meine Jugend verdüstert hatte, auch noch den Untergang meiner Kaste in den Wogen eines Schicksals erleben müssen, das die Menschheit nach neuen Horizonten trieb.
Mehr als alles aber schmerzte es mich, daß auch die Solidarität zwischen uns und dem Volke in Brüche ging.
In der Provinz wie in Paris erlitt unser Ansehen eine Einbuße, gegen die sich mein Ahnenstolz auflehnte. Es erfüllte mich bald ein Widerwillen gegen alle und alles, wie er bei einem jungen Menschen selten anzutreffen ist. Nur meine Freunde und meine Gedanken blieben mir lieb. Allmählich gewöhnte ich mir eine Gleichgültigkeit gegen alles übrige an, aus der sich auch meine Verschwendungssucht erklären läßt, die man mir so sehr vorgeworfen hat. Nichts ging mir mehr nahe. (…) In eine chaotische Zeit gestoßen, in der ich zu leben trachten mußte, nahm ich mit Beben den Kampf auf. Mir gelang es sogar, mich durchzusetzen, doch um den Preis so großer Mühen und Anstrengungen, daß nur Müdigkeit und Abscheu mir verblieben.

Einige Zeit nach diesem schönen Feste ersuchte ich um Aufnahme in den Jockeiklub. Es gehört zum guten Ton, diesem Vereine anzugehören. Mein Großvater, der Marquis de Juigné, war viele Jahre lang sein Vizepräsident gewesen. Doch ich hatte Eifersucht erweckt und wurde abgewiesen.
Dieser Mißerfolg wurde durch gleichzeitige Erfolge in anderen großen Klubs von Paris wettgemacht und vermochte nicht die Meinung herabzusetzen, die ich von mir hatte.
Meine Eltern besaßen ein recht hübsches Vermögen. Sie waren jedoch nicht im vollen Besitz ihrer Einkünfte, da meine Großeltern noch lebten. Das hinderte sie aber nicht, ihren Kindern gegenüber generös zu sein. Was sie mir gaben, entsprach jedoch nicht meinen Ausgaben. Das Geld ist mir immer zwischen den Fingern zerronnen. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich immer welche hatte, aber nie welches behielt.
Meine Wünsche waren größer als meine Mittel. Man kann seinen Charakter nicht ändern. Es ist nicht mein Fehler, daß ich als Verschwender geboren wurde. Immer vertraute ich darauf, daß ich nie ohne Ressourcen dastehen würde. Ich hatte Geldschwierigkeiten, die mir jedoch auch bei großem Reichtum nicht erspart geblieben wären, denn es gibt kein Vermögen, das bei meiner Passion für Pferde, Wagen, Häuser, Paläste, Schlösser und Antiquitäten nicht zerronnen wäre.
Ich hatte Sinn für Dekoration, Farbe, Form, überhaupt für alles, was Kunst heißt. Ich kaufte schon damals mit Sachverständnis Bibelots, die ich dann mit Gewinn wieder verkaufte, denn ich irrte mich selten in ihrem Wert und hatte ein geübtes Auge. Schon ehe ich mir alle Wünsche erfüllen konnte, genoß ich bei den Händlern den Ruf eines Kenners.
Ich verbrachte zwei aufeinanderfolgende Winter in Pau, um Parforcejagden zu reiten. Ich hätte dazu reich sein müssen. Ich war es aber nicht. Ich ritt mittelmäßige Pferde. Immerhin zog ich mich mit Anstand aus der Affäre, denn Reiten war meine Leidenschaft. (…) Ich hatte Flirts, die mir die Abende angenehm gestalteten. Da ich lebhafter war als die alten Kavaliere, die müde waren, weil sie den ganzen Tag hinter dem Fuchs galoppiert hatten, war mir mehr Erfolg beschieden.

Die Vergangenheit wird vergessen, Größe nicht geachtet, und dieÜberreizung der Nerven gilt als Vergnügen.

Ich hatte mir während meines Aufenthaltes in Portugal einen großen grauen Filzhut mit plattem Kopfe gekauft, wie ihn die Toreros tragen. Zur allgemeinen Verblüffung trug ich ihn auf meinen Spaziergängen. Man fragte mich, ob ich gekommen sei, um Stiere zu attackieren. Damals wußte ich noch nicht, daß man sich keine Exzentrizitäten erlauben darf, wenn man sich nicht lächerlich machen will.
Ich ergab mich dem Vergnügen, schwankte jedoch zwischen zwei Gefühlen. Das eine trieb mich zu allen Frauen, das andere ließ mich fürchten, der Herrschaft einer einzigen zu verfallen. So floh ich, was ich suchte.

Ich war in Frankreich der erste meiner Gesellschaftsklasse, der die Tochter eines Milliardärs geheiratet hatte, und der Faubourg Saint-Germain, in dem ich leben mußte, bezeigte mir eine mit Feindseligkeit gemischte Neugierde.
Ich hatte auch eine Schwäche für die berühmten Schränke von Crescent, die man heute bei Hodgkiss bewundern kann, für Tische, die mit Sèvresplatten geschmückt sind, für die chinesischen Vasen des bekannten Sammlers Foulques, für silberne Suppenschüsseln aus dem Verkauf von Demidoff und für tausend Gegenstände dieser Art, die aus meinem Hause eines der vollständigsten Museen der Welt machten.
Diese Auswanderung unserer Kunstgegenstände nach Amerika zerreißt mir das Herz, denn die dortigen Sammler wissen nichts mit dem anzufangen, was sie bei uns kaufen. Bei aller Hochachtung, die ich ihnen zolle, muß ich sagen, daß sie einen gewiegten Mentor brauchten, der sie bei der Aufstellung unterwiese. Der Sinn für Arrangement erheischt andere Qualitäten als die ihrigen. Der Geschmack ist das Ergebnis geschichtlichen Sinnes, einer durch die Tradition geformten Intelligenz und von Kenntnissen, die sie nicht besitzen. Dagegen sind sie mit einem erstaunlichen kommerziellen Instinkt begabt, der sie mehr den Wert als die Schönheit eines Gegenstandes schätzen läßt. Dieser Sinn ist die Verneinung des anderen.

Trotz meiner Neigung für Kostbarkeiten bin ich für meine Person sehr anspruchslos. Wenn ich mir das Paradies, so wie es mir gefiele, vorstelle, so sehe ich in meiner Einbildung ein Schloß, das ständig im Werden ist. Ich bewohne darin ein Zimmer, das nur mit Strohstühlen und Tischen aus weißem Holz ausgestattet ist, die Bücher und Pläne tragen. Dieses Zimmer führte in Salons, in denen ich spazieren gehen und überlegen kann. Zahlreiche Arbeiter dekorieren sie beständig, ohne sie jemals fertigzustellen. Maler, Bildhauer und andere Künstler arbeiten unaufhörlich an stets neuen Werken, die ich inspirierte. Durch die Fenster sehe ich einen ausgedehnten Park, der gewissermaßen eine Fortsetzung der Architektur meines Hauses wäre. Seine Linien müßten mit denen des Gebäudes übereinstimmen und es einrahmen, so daß sie ihm ein solides Aussehen und einen logischen Sinn gäben. Säulen, Statuen, Kunstdenkmäler werden zur Probe aufgestellt und nur behalten, wenn sie sich dem Ganzen harmonisch einfügen, denn jeder Gegenstand müßte das Ganze vervollkommnen. Endlich möchte ich in der Nähe einer Stadt leben, die von Antiquitätenhändlern bevölkert ist. Ich träfe hier Seligman, Kroemer, Davis und Duveen wieder, bei denen ich die köstlichsten Stunden meines Erdendaseins verbracht habe. Andere würden nicht so sehr wünschen, diesen Leuten im Paradiese wieder zu begegnen. Doch ich grolle ihnen nicht, daß sie sich auf meine Kosten Vermögen gemacht, sondern bin ihnen dankbar für die Freuden, die sie mir verschafft haben.
Auf die Gefahr hin, seltsam zu erscheinen, füge ich hinzu, daß ich außer diesen auch noch einige parlamentarische Zerstreuungen brauchte. Denn könnte ich auch in der andern Welt meine künstlerischen Phantasien befriedigen: vollkommen wäre mein Glück nicht, wenn ich meine Gedanken nicht nach Belieben äußern, nichts Schlechtes über Minister und Deputierte sagen und die Tagespolitik nicht ins Lächerliche ziehen könnte.

Am einundzwanzigsten Geburtstag meiner Frau wollte ich ein Fest geben, das an Pracht denen des Sonnenkönigs nicht nachstehen sollte.
Ich mietete den Taubenschießplatz und ließ am Ufer des dort befindlichen Teiches einen mehr als hundert Meter langen und zwanzig Meter hohen Hintergrund errichten. Auf einer großen Estrade tanzten zwanzig Künstler des Opernballetts, deren Silhouetten sich im Teiche spiegelten, zu den Klängen eines Orchesters von zweihundert Musikern. Feuerwerk ersetzte die Springbrunnen. Ein Diner für zweihundertfünfzig Intime des Hauses ging dem Feste voraus. Dieses Schauspiel verblüffte nicht nur Paris, sondern auch die Neue Welt.
Die Rechnung war gesalzen. Wir hatten unversehens dreimalhunderttausend Francs ausgegeben. Heute würde ein ähnliches Fest wohl mehr als eine Million verschlingen. Man schrie natürlich über die Exzentrizität. Ich gestehe, daß ich nicht vernünftig war. Jedoch die Inszenierung einer solchen Pracht läßt in den Köpfen derer, die sie zu würdigen wissen, ein Feuerwerk von Gedanken entstehen, gebiert poetische Inspirationen aller Art, befruchtet die sterilsten Hirne und schafft die für jegliche geistige Arbeit nötige Stimmung und Empfänglichkeit. (…) Alle diese Extravaganzen sollten mich nur betäuben. Ich bestätigte zum Zeitvertreib meinen Geschmack, so wie ich sonst wohl mit einem Stecken ins Wasser geschlagen hätte. (…) Ein anderes Mal wünschte ich mir eine Jacht zu besitzen. Wir kauften in England die “Walhalla”, einen Dreimaster von 1600 Tonnen Wasserverdrängung und einer Hilfsmaschine. Dieses Schiff war wirklich, wie sein Name schon sagt, eine Art Paradies. Die Besatzung zählte nicht weniger als hundert Mann, darunter acht Offiziere.

Unser Luxus schuf uns den Ruf von Frivolität. Man verstand nicht, daß mich bei einer Inszenierung vor allem die dekorative Seite interessierte und es nicht meine Absicht war, die Welt in Erstaunen zu setzen.
Vor dem Unverständnis unserer zu philiströs gewordenen Gesellschaft flüchtete ich mich in eine vergangene Zeit, deren Pracht eine magische Anziehungskraft auf mich ausübte. Ich schuf mir eine künstliche Welt inmitten von Neugierigen, hübschen Frauen und aller Art Leuten. Nicht aus meinem Lande, doch aus meiner Zeit verbannt, machte es mir Spaß, aus Freude am Schönen und Widerwillen gegen unsere Zeit das Leben einer andern Epoche zu leben.
Unsere Feste waren großartig. Wir bewegten uns in einer vollkommen schönen Architektur; die Dekoration unserer Mauern aus kostbarem Marmor ähnelte nicht der, die man sonst sieht.
Wir empfingen Personen aus den verschiedensten Gesellschaftsklassen. Das war eine durch die sozialen Verhältnisse bedingte Notwendigkeit und erweckte den Eindruck eines gewöhnlichen Bildes in einem zu kostbaren Rahmen. Es fehlte die Harmonie zwischen beiden.

Ich hatte die Absicht gehabt, in Marais eine Menagerie von schönen exotischen Tieren einzurichten. Ich sah sie schon in meiner Phantasie, wie sie beim Sonnenuntergang vor Blumenparterren von Negern mit roten, federgeschmückten Turbanen versorgt wurden. Unglücklicherweise fehlte mir die Zeit, um diese Kaprizie zu verwirklichen.
Ich begnügte mich, prächtige Gespanne, vierspännige Kaleschen oder Berlinen mit Dienern auf dem Rücksitz statt Leoparden oder Strauße zur Schau zu stellen.

Ich jedoch hatte den Ehrgeiz, ein großer Franzose zu sein. Meine Unternehmungen schienen von Erfolg gekrönt. Ich fühlte mich als Seele einer großen geistigen Bewegung, während ich mir in Wirklichkeit nur Feinde unter den Leuten schuf, die an der Macht waren (…) In den politischen Kreisen herrschte eine Art geheimer Wille, meinen Ruin herbeizuführen.
Nicht befriedigt von Duellen, Redeschlachten, Wahlen, Rennen, Palästen und schönen Frauen, suchte ich nach anderen Zerstreuungen, um mich zu betäuben.
Ich veranstaltete ein Diner zu 250 Gedecken mit anschließendem Ball, zu dem die Damen als Blumen verkleidet erscheinen sollten.
Um mich zu betätigen, schrieb ich einige Artikel im “Echo de Paris”, im “Gaulois”, in der “Revue des Deux Mondes” und für englische Magazines. Meine kecke Art gefiel. Doch ich war tausend Eifersüchteleien ausgesetzt, die dazu beitrugen, meine Ehe zu zerstören, was ich weder bemerkte noch glauben wollte.
Ich hatte die unglückliche Idee, eine Zeitung besitzen zu wollen. Ich kaufte den “Soir” und wählte zum Chefredakteur einen talentierten, intelligenten Juden namens Gaston Pollonais.
Er veranlaßte mich zu großen Ausgaben. Doch ich tröstete mich darüber, denn es schmeichelte meiner Eitelkeit, der Besitzer eines Preßorgans zu sein, das sich sehr vernehmbar machte. Während der Dreyfusaffäre wurde es stark gelesen.
War es nicht gut, daß in einer Zeit, wo der Wohlstand gering und der Geist durch unser demokratisches Regime philiströs geworden war, wenigsten ein Franzose die Schönheiten der Vergangenheit wieder aufleben ließ und in Paris dieÜberlieferung des Prunkes hochhielt?
Niemand hat mich ersetzt. Vielleicht wird man sagen, daß es jetzt weniger Narren auf der Welt gibt. Die Wahrheit ist, daß die Menschen jetzt weniger Temperament, weniger Wünsche und weniger Sinn für Schönheit haben. Die Gewohntheit hält jeden in den Grenzen der Mittelmäßigkeit. Um den Luxus und ein intensives Leben zu lieben, muß man einenÜberschuß an Gefühl haben. Das führt die Einbildungskraft in das Reich der Extravaganz. Doch das gibt es heute kaum mehr.
Ich hatte Unrecht, alles zu groß und zu weit voraus zu sehen. Zu groß, weil meine Unternehmungen meiner Zeit nicht angemessen waren. Zu weit voraus, weil das Publikum damals noch nicht ahnte, was ich kommen sah und was sich seither verwirklicht hat, nämlich die Hausse der Kunstgegenstände, die ich vor zehn Jahren kaufte, als noch niemand daran dachte.
Mein Leben, meine Schlösser, meine Paläste, meine Bibelots, meine Rennpferde, meine Jachten, meine Reisen, meine politische Tätigkeit, meine Wohltätigkeit, meine Feste, die Juwelen meiner Frau, das Geld, das ich meinen Freunden lieh: all das hat mich in zwölf Jahren sechzig Millionen gekostet, die ich in Paris ausstreute. Damals erschien diese Summe ungeheuer.

Wenn es bei uns auch keine ausgesprochenen Gesellschaftskasten gibt, spürt man doch, trotz politischer Gleichberechtigung, daß früher einmal eine festgezimmerte Hierarchie bestanden hat. Zersetzung setzt voraus, daß etwas war. Unsere alten Rahmen haben ihre Vergoldung verloren, doch Spuren sind geblieben, die die Zeit nicht ganz verwischen konnte. In New York hat das Gebäude einer Gesellschaft nie bestanden, es kann daher auch keine Zersetzung geben. Bei uns hat heute noch jeder – wie ein Möbel – seinen Stil, seine “Epoche”, da er durch seine Vorfahren zu einer bestimmten Welt gehört. Der bürgerliche oder der Arbeiter bleibt, was er war. Der seiner Vorrechte beraubte Edelmann kann sich nicht seines atavistischen Instinktes entledigen. Er sucht die Gesellschaft von seinesgleichen, die sich, weil ihre Kaste schwach geworden ist, eng aneinanderschließen. Das gibt ihm die Illusion, noch zu zählen, obgleich er weder Vermögen noch politischen Einfluß mehr besitzt. Anschmiegend, schwach, zähe, widerstandsfähig gleicht er der Liane, die in der Anlehnung an eine andere Pflanze ihr Leben findet und – welch seltsamer Wandel des Schicksals” – daran zugrunde geht.

Der Neid ist eine echt französische Eigenschaft, und ich forderte ihn im höchsten Maße heraus.
Dennoch war ich nichts weniger als glücklich. Ein Seelenkenner würde verstanden haben, daß ich im Rausche der Vergnügungen nur Betäubung suchte, um vor mir selbst das Nahen der Katastrophe zu verhehlen, von der ich fühlte, daß ich sie höchstens noch hinauszuschieben vermöchte.
Obwohl ich schwere Verlegenheiten hatte, erschien ich ganz zufrieden und auf der Höhe der Situation. Man wußte, daß ich kein Geld hatte, doch fuhr ich im Automobil und lebte gut. Ich hielt mich an die Worte Robert de Montesquious: “Es ist schon unangenehm genug, wenn man kein Geld hat, sich deshalb auch noch etwas abgehen zu lassen, wäre zu arg!”

Mit achtunddreißig Jahren bin ich arm geworden. Nach dem glänzendsten Dasein, das mich mit den Größten dieser Welt zusammengeführt hatte, war ich plötzlich einer hungrigen Meute von Neidern ausgeliefert.
Abends ging ich gern in Gesellschaft. Man wunderte sich dort, mich so ruhig zu sehen. War mir auch das Herz zum Brechen schwer, so zwang mir meine Selbstbeherrschung doch ein Lächeln auf die Lippen. Ich redete mir ein, es sei ein gewisses Vergnügen, Schwierigkeiten wie die meinen zu überwinden.
Meine seelischen Leiden hätten meiner Gesundheit schaden können. Ich fühlte mich jedoch so wohl wie niemals in meinem Leben. Ich ging mit erneuten Kräften aus dem Kampf hervor und fühlte mich fähig, allen Schicksalsschlägen die Stirne zu bieten. EinÜberschuß an Lebenskraft war in mir. Wie ein Keil das morsche Holz, so spaltete ich die öffentliche Meinung.

Es war Mode, vormittags im Bois de Boulogne zu reiten. Mein Bruder lieh mir eine elegante Stute, die mich beim Café Chinois, am Eingang der Porte Dauphine, erwartete. Doch ich fuhr nicht wie einstens in einem eleganten zweispännigen Phaeton dorthin, sondern nahm mir einen einfachen Fiaker. (…) Ich fuhr so an den schönsten Equipagen und dem Palais vorbei, das ich zwölf Jahre bewohnt hatte. Verstohlen betrachtete ich es. Der Gedanke, daß ich es erbaut hatte, war mir schmerzlich.
Meine Kleidung war jedoch noch immer so gewählt wie früher. Ich trug eine Blume im Knopfloch, einen Zylinder, Reitpantalons und grauen Gehrock.
So durchquerte ich den Bois im Galopp, vergaß meine Unannehmlichkeiten dabei und ließ mir meine Fröhlichkeit durch nichts stören.
Niemals setzte ich eine hochmütigere Miene auf als in der Zeit, in der man mich für endgültig besiegt hielt.
Doch in der Zeit meiner schwersten Sorgen sagte mir eine innere Stimme, daß dieser tragische Zustand nicht ewig währen würde. (…) So raffte ich mich auf, suchte Zerstreuungen und lebte wie ein sorgloser Mensch dahin. Ich kümmerte mich nur um das dringendste.
Fast jede Woche jagte ich bei Bunau-Varilla. Dort traf ich Männer, die in der Politik oder in der Geschäftswelt eine Rolle spielten, denen ich nicht zu mißfallen schien und deren Einfluß in der Kammer mir dienlich sein konnte.
Manchmal waren auch Dämchen da, die mich in meinem Unglück trösteten. Ich tat alles mögliche, um mich zu betäuben. Meine Beziehungen durfte ich nicht aufgeben.
Ich wappnete mich gegen die öffentliche Meinung, akzeptierte alle Einladungen, nahm meinen Platz im Parlamente wieder ein und trug noch dieselben tadellos geschnittenen Gehröcke, um die mich Paul Deschanal so sehr beneidet hatte.

Ich war mittellos geworden und mußte mich nach einer Existenzmöglichkeit umschauen. Zunächst versuchte ich es, dadurch einiges Geld zu verdienen, daß ich Artikel über die auswärtige Politik schrieb, doch diese wurden so schlecht bezahlt, daß ich es bald wieder aufgab. Ich, der ich so viel Geld ausgegeben hatte, um meine Ideen zu verbreiten und verschiedene Verbände zu unterstützen, mußte mich nun an die Presse wenden. Das war die verkehrte Welt!
Ich warf mich also auf den Handel mit Kunstgegenständen.
Aus meinem Wissen und meinem Geschmacke konnte ich also einigen Gewinn ziehen. Ich hatte ein brachliegendes Vermögen in meinem Hirnkasten herumgeschleppt, hatte es immer nur zum Wohle und für das Vergnügen anderer angewendet. Jetzt aber begann ich im Großen, was der Zufall mich bisher im Kleinen hatte versuchen lassen.
Mein Ruf als Kenner stieg immer mehr. Die unbedeutendsten Kleinigkeiten, die ich bei mir aufstellte, galten für Prachtstücke. Ich empfinde gar keine falsche Scham darüber, daß ich Händler geworden bin. Wenn man kein Geld hat, muß man sich eines verschaffen und seine Gaben geschickt ausnützen.
Es gibt Leute, die schon bei der Vorstellung erschaudern, daß ein Mann von Welt Provisionen einstecken könnte.
Ich aber sehe keinen Grund, weshalb man nicht aus seinem Wissen eine Ware machen sollte. Man kann es verkaufen wie ein Buch, wie Holz oder Getreide. In dieser Hinsicht bin ich sehr modern geworden. Es ist jedoch eine Ware, die man nicht leicht anbringt.

Man braucht, um sich durchzusetzen, einen ausgesprochenen Sinn für Psychologie und muß immerfort diplomatische Schlachten schlagen.

Die Gräfin von Chabrillan gab einen Ball unter der Devise “Tausend und eine Nacht”, zu dem man in orientalischen Kostümen zu erscheinen hatte. (…) Ich selbst erschien als persischer Botschafter am Hofe König Ludwigs XIV. in einem Mantel aus smaragdgrünem Sammet mit einer rosa Bordüre und Skunksbesatz, mit vergoldeten türkischen Pantoffeln und einem Muff in der Hand. Die Modistin Marie-Louise hatte mir einen Turban aus weißem Crèpe de Chine hergestellt, an dem sie geschickt einen Federschmuck sowie große Diamanten und Perlen anbrachte. (…)
Ich fühlte mich in meiner Verkleidung ganz wohl. die Trachten vergangener Zeiten stehen mir besser als moderne Kleider. Ich hasse die demokratische Jacke und die schwarze Krawatte.

Die Lyzeen sind Orte, an denen die Charaktere der Kinder umgemodelt werden. Man fälscht dort den Geist der Geschichte. Michelet ist ihr unumschränkter Herr und Gebieter. Man stopft die jungen Köpfe mit unnützem Zeug voll, anstatt sie an selbstständiges Denken zu gewöhnen.
Meine Söhne blieben vor diesem Unglück bewahrt, denn sie lernten durch die Berührung mit mir.
Es gibt nichts Interessanteres, als einem jungen, aufnahmefähigen Hirn solide Grundsätze einzuimpfen. Man sieht sie dann sich in ihm entwickeln wie Blumen in einer gut bearbeiteten Erde. (…) So vertiefte sich auch die Anschauungsweise meiner Söhne. Ihr Geist gewöhnte sich daran, alles durch eine besondere Brille zu sehen. So wurden sie zu den Elitemenschen, die sie heute sind.

Nach den größten Anstrengungen war es mir gelungen, etwas Geld zusammenzuscharren. Ich bezahlte meine Schulden und mietete mir eine Wohnung 2, Place du Palais-Bourbon.
Sie war, als ich sie bezog, sehr häßlich, lag aber an einer vornehmen Straßenkreuzung, die leider mit der schrecklichen Statue der Republik geschmückt war. (…) Das bot mir Gelegenheit zu einem hübschen Arrangement, bei dem mich meine alten Lieferanten aus der Zeit der Avenue du Bois unterstützten. Ich bedeckte die Wände mit in Bologna gekauftem Leinen, das ich in Aquarellmanier in grauen und rosa Tönen bemalte. Diese Bespannung erinnerte an Panninis, zeigte Kolonnaden und Phantasieschlösser und paßte sehr gut zur Pariser Atmosphäre. Sie war von Spiegeln und Bücherschränken unterbrochen.
Von allen Seiten lief man herbei, um meine Talente zu bewundern. Da ich nicht genügend Geld hatte, um mir schöne Möbel kaufen zu können, hatte ich die Idee, mir welche aus weißem Holz machen zu lassen, die ich geschickt bemalte. Sie wurden sehr bewundert, und jeder wollte sich gleiche anschaffen.
Meine schreckliche Wohnung war in einen eleganten Ort verwandelt, an dem sich Künstler und Leute von Welt Rendez-vous gaben.

Der Tanz war damals noch nicht zu einer solchen Krankheit ausgeartet wie heute, doch huldigte man bereits dem Fox-trott und Tango. Ich fühlte mich unmodern, denn es machte mir nur Vergnügen, über Politik und Kunst zu sprechen. Um mich dieser Gesellschaft anzupassen, hätte ich vor allem auf meinen beiden Beinen herumhüpfen müssen.

Dann bereitet ich mich vor, nach Havre zureisen, wo ich Dolmetscher in der englischen Armee werden wollte.
Ich wohnte in dem Hotel, das sich dem Klub gegenüber befindet. Im Klub brachte ich meine Abende zu und spielte mit den Engländern Billard. Sie liehen mir die Pferde ihrer Eskadronen. So konnte ich weite Spazierritte unternehmen.
Meine Leidenschaft für die Dinge der Kunst und für schöne Bauten verließ mich auch hier nicht. Trotz der traurigen Ereignisse besichtigte ich die alte Kapelle eines halbzerstörten Klosters in der Nähe von Honfleur und auch ein kleines Schloß Heinrichs III., das sich in der Stadt befindet und dessen Architektur entzückend ist.

Ich verging fast vor Langeweile, denn ich hatte nichts zu tun. Ich schlug lediglich die Zeit tot, da es mir nicht gelang, mich selbst totschlagen zu lassen.
Um mir das Leben in diesem fürchterlichen Nest etwas angenehmer zu gestalten, machte ich einige Besuche bei belgischen Staatsmännern. (…) In diesen intellektuellen Kreisen fühlte ich mich wohler als in den militärischen.
Meine Bemühungen, an die Front zu kommen, waren vergeblich geblieben, und ich hatte keine Hoffnung, jemals aus dieser schrecklichen Mausefalle herauszukommen.

Ich empfand ein Gefühl der Erleichterung, sobald ich nach Paris zurückgekehrt war. Ich dachte, daß ich da wenigstens meine Fähigkeiten würde verwerten und mich nützlich machen können, während ich in Havre gar nichts geleistet hatte. Meine Eigenliebe war verletzt.
Da ich meine Wohnung an Herrn Terry abgetreten hatte, mußte ich im Hotel Meurice absteigen, das heißt an einem der häßlichsten Plätze der Erde leben. (…) Die Salons sind Karikaturen derer von Versailles, was dem modernen Geschmack entspricht. Der Speisesaal ist besonders greulich; er enthält Bilder und ein Deckengemälde, die mit den Resten der von den Mahlzeiten übrig gebliebenen Saucen gemalt zu sein scheinen.
Es war für mich ein steter Kummer, an einem so unästhetischen Orte leben zu müssen.

Ich hatte die Bekanntschaft einer reizenden Dame gemacht, die sich die Zeit damit vertrieb, Bibelots einzukaufen. Es war mir gelungen, so viel Einfluß auf sie zu erringen, daß sie sich von meinem Geschmack leiten ließ. Daher füllte sich ihre Wohnung bald mit ausgezeichneten Stücken von unzweifelhafter Echtheit.
Damit war ich in meinem Elemente. Wenn ich sah, daß sie sich einen Kunstgegenstand anschaffte, bildete ich mir ein, ich hätte ihn für mich selbst gekauft. (…) Und als sie später einiges aus ihrer Sammlung wieder verkaufen wollte, ließ ich es mir angelegen sein, daß sie dafür höhere Preise erhielt, als sie gezahlt hatte.

Ich führte in der Rue de Lille, wenn auch mit Schwierigkeiten kämpfend, ein glänzendes Leben.
Alles, was Paris an ausländischen Staatsmännern beherbergte, sowie bedeutende militärische Persönlichkeiten und durchreisende Souveräne sah ich in meinen Salons.
Ich schämte mich des Mangels an Lebensart und Form der Leute, die das Schicksal der Welt lenkten, und trachtete inmitten der Unordnung eine Stimme der Tradition vernehmen zu lassen.
Wenn ich auch nicht mehr der Kammer angehörte, besaß ich in politischen Kreisen doch noch einigen Einfluß.

In meiner Sphäre trachtete ich von dieser Umgebung abzustechen, indem ich bedeutende Persönlichkeiten an mich zog, von denen ich wußte, daß sie froh sein würden, sich auf neutralem Gebiete zu treffen.
Mein Haus war ganz hübsch und konnte das eines Grandseigneurs früherer Tage vorstellen. Ich aber wollte meinen fremden Gästen ein wenig von der Heiterkeit zeigen, die unseren Unterhändlern fehlte und die doch stets ein Erbteil der Franzosen war.
Nach dem Vorbilde Talleyrands war ich der Ansicht, daß bei ganz banal erscheinenden Diners die wichtigsten Gespräche sich ergeben, gleichwie man durch arglistige und suggestive Anspielungen bei ganz oberflächlichen gesellschaftlichen Gesprächen dem Geiste der Menschen das schlimmste Gift einflößen kann.
Man muß dazu nur ein bestimmtes Ziel haben und die Gabe besitzen, sein Gift mit Takt und Geschicklichkeit zu verspritzen. Ich verstehe mich darauf, und es war mir ein Vergnügen, mangels einer offiziellen Stellung im geheimen Fäden zu knüpfen, die, zu einem Seil vereinigt, manche Frage auf die Tagesordnung brachten.
Ich hatte damals das Glück, genug Geld zu verdienen, um meinen Gästen nach den Diners künstlerische, musikalische oder literarische Genüsse zu bieten, was sie allerdings nicht hinderte, sich zu einer Plauderei in einen abliegenden Raum zurückzuziehen. Da ich nicht zu sparen verstehe, verwendete ich so ziemlich meinen ganzen Verdienst dafür.

Quellen: Boni de Castellane: Wie ich als armer Mann Paris entdeckte. Berlin: Verlag für Kulturpolitik, 1926.

Quelle: Boni de Castellane: Wie ich Amerika entdeckte. Berlin: Verlag für Kulturpolitik, 1926.

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