Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Gerald Van der Kemp

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Er ist riesig. Er hat den rosigen und klaren Teint der Leute, die wissen, daß das Leben oft der Mühe wert ist, gelebt zu werden. Er hat einen ironischen Blick, ein Lächeln, das selten von den gut geschnittenen Lippen weicht. Er hat schöne, gepflegte weiße Hände, deren er sich bedient, um einem gelehrtem Gespräch Nachdruck zu verleihen. Er trägt mehrere Ringe, eine Goldkette und kostbare Manschettenknöpfe. Er wendet niemals den Kopf, sondern dreht den ganzen Körper mit einer Art majestätischen Gelassenheit. Er kleidet sich in London, Rom und Paris ein, aber nur in solchen Häusern, die wissen, daß für einen Mann von Format die Mode nur eine Albernheit ist. Er liebt Tweed, Spazierstöcke mit kunstvoll gearbeitetem Knauf, Capes, Pelzkragen, exotische Stoffe. Die Damen schätzen ihn, weil er sich für alles zu interessieren scheint, was sie sagen. Die Männer achten ihn, weil er verständig über einen Wein, eine Hammelkeule, eine Zigarre zu plaudern weiß. Er bewegt sich gemessen, königlich, und erweckt nicht Furcht, aber Respekt, sowohl bei seinen Untergebenen wie auch bei denen, die mit ihm auf du und du stehen.

»In puncto Kleidung habe ich schon immer ein Faible für das Aufwendige gehabt. Damals war die große Zeit der Maßanzüge, der großen Herrenschneider. Kleider machen Leute, das stimmt. Man unterhält sich nicht auf du und du mit einem Bankier, wenn man einen Anzug von der Stange trägt. Keine Herzogin wird einen ernst nehmen, wenn man schlecht geputzte Schuhe anhat.«

»In Valençay lebte ich ‘à  la Balzac’. Jeden Morgen ritt ich durch die weiten schweigenden Wälder mit ihrem reichen Wildbestand. Ich las ungeheuer viel. Ich ging auch auf die Jagd. Abgeschnitten von der Außenwelt, Herrscher über einmalige Kunstschätze, so lebte ich wie ein Grandseigneur des 17. Jahrhunderts und wußte dabei doch genau, daß ich das Ende einer Kulturepoche miterlebte.«

Aus: José Luis de Vilallonga: Gold-Gotha. Meine Begegnungen mit Reichtum, Macht und Schönheit. München/Zürich: Droemer Knaur, 1974.

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