Die Idee des Dandysmus wird in Lars von Triers Film Dear Wendy adaptiert. Diese Dandys sind jugendliche Kids, die in guter alter Dandy-Manier einen Club gründen. Dieser ist notgedrungen moralisch anrüchig; es handelt sich um einen Waffenclub. Der Schwerpunkt liegt jedoch weniger auf affektgetriebenen Schießübungen, als vielmehr auf einer geistigen Positionierung. Das drückt sich einerseits im Ambiente aus: Die Kids richten sich ein Clubhouse – den “Tempel” – in einer alten Mine ein, mit Bibliothek und Schießbahn. Die Aktivitäten der Mitglieder beinhalten die Lektüre entsprechender Literatur, die Diskussion themennaher Filme und der Ästhetik der Waffenkunst, waffenbasiertes Floretttraining, die Analyse von Waffenträgern – alles unterstützt von Portwein und exzentrischer Kostümierung. Dandy zu sein bedeutet für sie, anspruchsvoll, integer, stark und selbstbewusst zu sein. Die Dandys bilden somit auch hier eine Elite.
Antrieb der ganzen Bewegung war der Wunsch, keine Looser mehr sein zu wollen. Die Waffen geben den Dandys das nötige Selbstvertrauen, der Begriff ‘Dandy’ selbst soll Fröhlichkeit ausstrahlen und vom sonst so tristen Leben ablenken. Die akzeptierten Waffen sind grundsätzlich alt und stilvoll, moderne und sportliche Exemplare sind unerwünscht. Auch Regeln werden aufgestellt: jede Waffe bekommt einen Namen inklusive Initationsritus; fass niemals die Waffe eines anderen an; gib nie mit deiner Waffe an; trag die Waffe, aber zieh sie nie.
Der Untergang der Dandys beginnt mit Aufnahme eines neuen Mitglieds: Ein Bekannter des Clubvorsitzenden, den dieser noch nie leiden konnte und dem er zu Beginn des Films Wildes Dorian Gray geschenkt hatte – ein Geschenk, das er hoffentlich hassen würde. Der Neuzugang ist ein stereotyper schwarzer Gangster, der bereits einen Menschen erschossen hat und mit der intellektuellen, ästhetisierten Waffenobsession der Dandys nur wenig anfangen kann.