Der erste meiner jungen Adepten hieß Amandus. Er war sozusagen mein Adjutant, mein Ebenbild, mein alter ego in all den Herzensaffären, in denen das Herz nicht einzig im Spiele ist, die sich vertausendfachen durch den bloßen Willensakt und zur komplizierten Angelegenheit werden können, wenn die Höflichkeit auch nur die geringste Willfährigkeit nach sich zieht, kurz: solchen Affären amouröser Art, die selbst einen Pascha ohne Hilfskraft zwingen können, binnen acht Tagen kriegsmüde und abgekämpft die Waffen zu strecken. Und mein Amandus war in der Tat der vollendetste Liebling der Götter!
Ein Bild von einem hübschen Bürschen, mit seiner Haltung, mit seiner betäubenden Konversierkunst, seiner überwältigenden Spielsicherheit! Er spielte alle Spiele mit einer tödlichen Unbeirrbarkeit und machte sein Jeu nie, ohne zu verlieren. Er stieg zu Pferde wie ein Gott und brach sich alle Monate irgendein Glied. Er zog vom Leder wie Sankt Georg und kam regelmäßig aus seinen Duellen mit einem Arm in der Binde.
Er hatte ein recht nettes Vermögen geerbt und verstand, es binnen sechs Monaten kleinzumachen bis auf den letzten Sou, was von ziemlichem Geist zeugt; und er fand Mittel und Wege, noch Schulden dazu zu machen, was noch mehr beweist. Mit einem Wort: es gab nur einen Schrei der Bewunderung, wenn er einen Salon durchschritt – »charmant«! Er hatte wirklich keinen gewöhnlichen Menschenverstand, mein Amandus!
Charles Nodier: Die Liebe und das Zauberbuch oder Wie ich mich dem Teufel verschrieb. Verlag Neues Leben Berlin, 1990.