Der schlanke Herr, dessen schwarzer Gehrock ebenso korrekt geknöpft war wie der Reitrock eines Kavallerieoffiziers, wirkte in ihm genau so vornehm wie ein Patrizier auf einem Bilde Tizians und erinnerte durch seine betont starre Haltung, sein hochmütiges, etwas feminines Gesicht, den Schnurrbart, der an den einer Katze denken ließ, und dessen Spitzen schon zu ergrauen begannen, an einen Stutzer aus der Zeit Heinrichs III. Und was diese Ähnlichkeit noch größer machte, war, daß er das Haar kurz geschnitten und in den Ohren zwei dunkelblaue Saphire hatte, die mich an die beiden Smaragde erinnerten, die Sbogar an derselben Stelle trug. Abgesehen von dieser Einzelheit, die andere Menschen sicherlich als lächerlich bezeichnet hätten und die doch so viel Verachtung für den Geschmack und die Ideen des Tages verriet, war alles in der Haltung dieses Mannes, der nur durch sich selbst die Aufmerksamkeit auf sich lenkte und sie ganz und gar für sich in Anspruch genommen hätte, wenn sich die Frau nicht neben ihm befunden hätte, einfach und dandyhaft im Sinne Brummels – und das heißt unauffällig…
Graf Sevigny war bestimmt einer der glänzendsten und schneidigsten jungen Leute dieser Epoche, die nur schneidige junge Leute kannte, denn in V… lebte, wie anderswo auch in dieser alten Welt, noch wirkliche Jugend.
Aus: Barbey d’Aurevilly, J.-A.: “Das Glück im Verbrechen.” In: Ders.: Die Teuflischen. München: Kurt Desch, 1948.