Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Veränderungen der Mode in London

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Die Veränderungen im Reiche der Mode waren, wie allenthalben, auch in London sehr groß. Gehen wir jedoch bei ihrer Aufzählung nicht zu weit zurück. Unter Karl I vereinigte die Militär- und Civiltracht Adel mit Zierlichkeit. Man darf nur einen Blick auf die Meisterwerke von Dycks werfen, um sich zu überzeugen, daß die englische Nationaltracht unter Karl I, indem sie die Steifheit entfernte, die im sechzehnten Jahrhundert herrschte, etwas Malerisches hatte, das sie seitdem nie wieder erlangte. Der modische Cavalier trug damals einen Leibrock von Sammet oder Atlas, mit weiten vorn aufgeschlitzten Aermeln; ein prächtiger Spitzenkragen, à  la Vandyck gestickt, wie man noch jetzt sagt , fiel über seine Schultern herab; ein kleiner spanischer Mantel war mit zierlicher Nachlässigkeit über die Schultern geworfen, und die Spitzen, mit denen die Hosen unter den Knieen besetzt waren, reichten bis auf die sehr zierlich geformten und oft ebenfalls reich mit Spitzen besetzten Stiefelstulpen herab.

Auch der Bürger ging sehr gut gekleidet, und der Edelmann mit seinem prachtvoll gestickten, über die rechte Schulter geworfenen Wehrgehänge, seinen Spitzenmanschetten, seiner Feder auf dem breiträndrigen flamandischen Hute, seinem spitzen Zwickel- und dem kleinen aufwärts stehenden Knebelbart war sicher eine höchst originelle und zierliche Figur. Man konnte sehr leicht Einfachheit mit einer höchst gewählten Tracht verbinden, indem man den Spitzenkragen mit einem Sammettrogen vertauschte, und die vorn wie ein Pique-As zugespitzte Stiefelstulpe bis zum Knie heraufzog; so hatte man ein eben so leichtes als bequemes Costume, das sich allen Bewegungen anpaßte und jeden Stand gut kleidete.

Die Krieger hatten dem Cuiraß keineswegs entsagt, wie man dieß an dem schönen Bild von Strafford von Van Dyck sehen kann. Sogar die Puritaner trugen einen schönen weißen, umgeschlagenen Kragen ohne Spitzen, und ihr um das Knie weites Beinkleid nebst dem vorn geschlossenen Leibrock nahmen sich in einem Gemälde weit besser aus, als die magere, dürftige Tournure der jetzigen Edelleute. Das Haar wurde lang und natürlich herabfallend getragen, und der Hut auf das eine Ohr gedrückt; der Stutzer zeigte sich nie ohne Manschetten. Da es eine Zeit politischer Stürme und Abenteuer war, so legte man, wenn die Trompete ertönte, das Collet von Büffelfell an, versenkte die Beine in ungeheure, bis auf zwei Fuß über die Kniee heraufreichende Stiefeln und ersetzte den gestickten Kragen durch einen Ringkragen.

Unter Karl II unterlag diese Tracht einigen ungünstigen Veränderungen. Dieser Mann, der die Majestät des Thrones schändete, scheint einen nachtheiligen Einfluß auf die Kleidung seines Landes geübt zu haben. Der Leibrock wurde außerordentlich kurz, das weite Beinkleid eng, und das über den Gürtel herausbauschende Hemd stellte die Weiße und Feinheit seines Gewebes zur Schau. Mit der Zierlichkeit und Feinheit der Spitzen wurde großer Luxus getrieben; der gestickte Kragen fiel weit tiefer herab als früher, statt der einen Feder wallte ein ganzer Busch von dem hohen Hute herab, und der Franse unter dem Kniee wurden noch 4 bis 5 Zoll breite Spitzen beigefügt. Bei Hoffesten vollendete der Brustlatz des Königs, in kleine Hohlfalten gelegt, und von dem mit einer assectirten Nachlässigkeit, die sehr gut zu den zügellosen Sitten paßte, heraus bauschenden Hemde überragt, das Lächerliche dieser Tracht. Als Ludwig XIV Europa Gesehe vorschrieb, ermangelte Karl II, sein Pensionär, nicht, ihm nachzuahmen, und der ganze Hof folgte seinem Beispiel. Die Perrücke mit ihren wallenden Locken und dem künstlichen Haargebäude fand in England eben so gut Eingang als bei den Franzosen, und da die Britten das französische Wort Perrücke nicht aussprechen konnten, so nahmen sie die nichtssagende und lächerliche Benennung Periwig in ihre Sprache auf. Die Perrücke verdrängte den spanischen Sombrero; man mußte die Krampen des Hutes aufschlagen, seinen Kopf niedriger machen, und so nach und nach bis zu dem Hut mit Ecken, dem Gräuel der neuen Zeiten, herabkommen.

Holmes gibt uns folgende Beschreibung der modischen Tracht von 1659: Leibrock mit kurzer Taille, enges Beinkleid, dessen über den Stoff vorragendes Unterfutter sich um das Kniee legt, Tressen am Gürtel und dem herausbauschenden Hemd. Gegen Ende der Regierung Karls II kam die Halsbinde auf, der Leibrock wurde länger und reichte endlich in Gestalt eines Oberrocks bis über den halben Schenkel herab. Im Inventarium der Garderobe Se. Majestit vom J. 1679, finden sich schon Angaben von Röcken, Westen und Beinkleidern, wie sie jetzt das Alpha und Omega unsers Costumes bilden, Man sieht also, wie sehr man sich damals schon von von Dyck und seinen malerischen Trachten entfernt hatte. Die Strümpfe reichten bis zum halben Schenkel empor und der Leibrock wurde weiter, indem man die langen Schöße beibehielt und so die erste Idee zu unsern jetzigen Fracks faßte. Die Perrücke behauptete ihre Herrschaft und die Satyriker jener Zeit melden uns, daß die Stutzer sie vor aller Welt Augen so kämmten und accomodirten wie man etwa seinen Knebelbart aufdreht, oder wie unsere jetzigen Stutzer mit den fünf Fingern in ihren Haaren herumwühlen.

Die Thronbesteigung Wilhelms von Oranien änderte fast nichts in dieser Tracht; nur die Spitzen verschwanden, die Manschetten wurden kürzer und der Rand des Huts erhielt allerhand abgeschmackte Formen, indem man ihn bald mit Tressen einfaßte, bald abstutzte. Eine Dame, welche der Spectator redend einführt, beklagte sich, daß ihr Liebhaber ihr tausend Verlegenheiten bereite, indem es ihr unmöglich sey, ihn wegen der unzähligen Veränderungen, die er mit seiner Perrücke vornehme, und wegen der vielen neuen Ecken, die er an seinem Hute anbringe, immer gleich zu erkennen.

Georg I und die Königin Anna behielten diese Tracht bei, die indeß mit jedem Tage einfacher wurde. Man fing an die Kleider viereckig zuzuschneiden; die Weste mit Schößen fiel bis auf die Strümpfe herab, welche die Beinkleider ganz bedeckten und unter dem Knie von einem Strumpfband festgehalten wurden. Die Aermelaufschläge wurden breiter und ähnelten einem Reifrock, mit Spitzen und Tressen besetzt, unter welchem Spitzenmanschetten vorragten. Die Schößen des Rocks wurden mit Cisendraht steif gemacht, die Schuhe erhielten rothe, viereckige Absätze, die Strümpfe wurden blau oder roth, und unter den Perrücken fand eine große Auswahl statt, indem man deren besondere für die Jagd, für das Reiten, für den Abend und für den Morgen hatte, zu deren jeder auch ein entsprechender Hut angeschafft wurde. So ging man unter Georg I und unter der Königin Anna gekleidet; unter ihre Regierung fällt auch die Epoche der Haarbeutel, die man, seltsam genug, auch bei dem Militärcostume einführte. Damals herrschte auch die strenge Etikette; Roger Coverlei sagt: “Ich habe einen Edelmann, eine zarte Seele, gekannt, der ganz mit Borten und Tressen bedeckt war, kleine Knöpfe und kleine Stiefeln trug, und lieber sein halbes Vermögen verloren, als sich vor einer Dame bedeckt hätte.”

Zitiert aus: Das Ausland. Ein Tagblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker. 29. August 1837. Nr. 241.

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