Ein Dandy aus dem Jahre 1814

In dem Magazin für die Literatur des Auslandes liest man folgende Beschreibung eines Dandy aus dem Jahre 1814: Damals stand überhaupt der Dandysmus in seiner höchsten Blüthe, und es war eine Tracht aufgekommen, die es an Abgeschmacktheit keiner aus früheren Zeiten nachgab, ohne die Augen dafür durch Pracht, Schmuck und Glanz zu entschädigen. Die richtigste Definition eines Dandy läßt sich vielleicht so geben: Ein menschliches Wesen in Kleider gesteckt, wovon kein einziges ihm paßt. Alles war unnatürlich an diesen Menschenfiguren; der Hut des Dandy war so klein, als hätte er aus Versehen einen Kinderhut aufgesetzt; dieses Diminutivum saß auf einer ungeheueren, aufgesträubten Haar-Pyramide, die zu beiden Seiten mit einem unförmlichen Busch über die Ohren hinausragte. Der Rock, das war ein lächerlich kleines, schwindsüchtiges, verhungertes Ding, eng, schmal, zusammengelaufen; der schmale Kragen saß ganz hinten auf den Schultern, und darüber empor stieg die unermeßlich weite, steif aufgerichtete weiße Kravate und ein nicht minder hoher, nicht minder steifer, gestickter Hemdkragen; dazwischen befand sich der Kopf und Hals des dergestalt Geputzten eingezwängt, wie in einem Halseisen. Er konnte die Augen nicht rechts, noch links wenden, ohne sich mit dem ganzen Leibe zu drehen. Das Leibstück des Fracks, mit kleinen, dicht, stehenden Knöpfen besetzt, saß gar nicht auf der Brust, sondern nur halb auf den Schultern, und von dem Rückenstück abwärts bis zur Kniekehle baumelten zwei lange, schmale Schwalbenschwänze, vulgo Frackschöße. Mancher närrische Märtyrer vermehrte seine Leiden noch, indem er ein Schnürleib trug, oder seinen Rock an Brust und Seiten steif wattiren ließ. Daher es sich wohl ereignete, daß Lady Oldtown den Sir Henry Millingtown ersuchte, neben ihr Platz zu nehmen, und der würdige Baronet sehr bedauerte, die Ehre nicht haben zu können: er hatte den Abend nicht Toilette zum Sitzen gemacht, er trug seinen Stehfrack. Auch die Weste des Dandy war sehr kurz gerathen, mit einem Ueberschlag und niedrigem Stehkragen; der Frack gewöhnlich blau mit Metallknöpfen, eine Mode, die heute wieder aufzukommen scheint. War nun solchergestalt der Oberleib des Dandy sehr schmal und dürftig bekleidet, so sah es wie Spott aus, daß er ungeheuer weite, faltige Pantalons trug, aber so kurz, daß man nicht recht wußte, ob sie am Knie oder an der Wade aufhörten. Dazu ein Paar sehr lange Wellington-Stiefel, die so knapp am Fuße lagen, daß der Schuster, wenn er sie ablieferte, seinem Kunden rieth, eine Weile damit ins Wasser zu gehen, ehe er sie ordentlich anzöge, ungemein hohe Absätze mit klirrenden Eisen und Sporen von Messing oder Stahl. Auch gehörte es zur feinsten Manier, kurzsichtig zu seyn, und die Lorgnette des Elegant war in beständiger Bewegung. Kurz, es war keine kleine Arbeit für einen Dandy, sich in Staat zu werfen, und war er einmal darin, so taugte er den ganzen Tag zu Nichts, bis er aus der Zwangsjacke wieder herauskam.

Zitiert aus: Bohemia: Oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände. 1837.

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