(…) Allerdings war der Beau der Vorzeit eine sehr verschiedene Figur von dem spätem Dandy; aber an die Stelle des Letzteren scheint durch die Entwickclung der Exclusiven wieder eine neue Phase getreten zu sein. Der Exclusive unterscheidet sich vom Dandy wesentlich dadurch, daß er keineswegs der geistigen Imbecillität verfallen zu sein braucht, welche diesen charakterisirt. Witz und Scharfsinn wird Niemand dem Dandy zuschreiben; den Hofleuten Karl ll. waren sie, wie auch der Verf. anführt, nicht fremd, und bei den Exclusiven vertragen sie sich, wenigstens ausnahmsweise, nur zu gut mit albernen äußern Ansprüchen.Übrigens hat der Verf. sehr recht, wenn er in der Vorrede bemerkt, aus den “Briefen des Verstorbenen” werde man England nicht kennen lernen. Denn der Verstorbene hat selbst, so weit nach seinem Buche zu urtheilen steht, die gute Gesellschaft in England, den Kern der englischen Sitte nicht kennen gelernt, weil er es vorzog in den ausschließenden Kreisen sich zu bewegen, bei denen Alles Prätension ist und das Meiste nur leere Prätension.
Auch darin mag der Verf. Recht behalten, daß der Dandy zuerst in einem Stück von Sheridan ausgebildet auf die Bühne trat. Doch war einÜbergang, von der Roheit der Beaux des 17. zu der vollendeten Weichlichkeit der Dandies aus der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In Addison’s Zeit sind die Spuren bemerkbar. Von Addison selbst steht im “Zuschauer”, der immer seinen Werth für die Sittengeschichte behaupten wird, ein Aufsatz (Nr. 275): “Anatomie des Kopfes eines Beau”. Die Essenzen, die mikroskopischen Spitzen fehlen dabei nicht; auch circulirt Quecksilber in einem Theil der Adern. Das Seitenstück (Nr. 281) ist die “Anatomie des Herzens einer Coquette”. Auch ist Pope’s “Lockenraub” bei diesen Untersuchungen nicht zu vergessen. Eine schöne Anekdote hat der Verf., in welcher der Komiker Foote einen lispelnden Dandy äfft.
“Marqueur, eine Tasse Kaffee…. matt wie eine hinsinkende Schöne und kühl wie ein Zephyr!” , Marqueur! Eine Tasse Kaffee, heiß wie die Hölle und stark wie der Teufel
Marqueur, bitte, wie mag der Herr da wol heißen?” ,
Marqueur, bitte, wie mag die Dame da wol heißen? , (Die Tradition bewahrt eine parodirende Klimax im Deutschen, von anderer Veranlassung, aber von ähnlicher rhetorischen Wirkung. Scene: Heidelberg, 18.. , A. Kellner! Eine Flasche Champagner und drei Gläser! , B. Kellner! Drei Flaschen Champagner und ein Glas!)
Zitiert nach: “Die Engländer. Von Franz Kottenkamp.” In: Blätter für literarische Unterhaltung. Nr. 104, 14. April 1837.