Puschkins Dandytum manifestierte sich, folgt man den Ausführungen Sam Drivers in seinem Aufsatz “The Dandy in Puskin”,* abgesehen von seinem insolenten Gebaren vor allem in seinen gepflegten und langen Fingernägeln. Manch einer bezeichnete sie als Krallen, andere bewunderten die goldene Umhüllung eines einzelnen langen Nagels. Besucher empfing Puschkin gar am Toilettentisch sitzend und eine exzessive Maniküre betreibend.
Vorbild des russischen Dichters war der Dichter und Dandy Lord Byron. Auch Puschkins Dandysmus fand literarische Ausprägung, neben Eugen Onegin in den Ägyptischen Nächten. Der Dichter plante gar einen russischen Pelham zu schreiben, ein Projekt, das leider nie realisiert wurde. Für Puschkin war das Dandytum jedoch keine rein künstlerische Angelegenheit, sondern entfaltete auch politische Kraft. Er entstammte dem verarmten Adel. Die Pose des Dandys erlaubte es dem Dichter, so Driver, eineÜberlegenheit zu mimen, die dem Adel auf politischem Gebiet – angesichts der herrschenden Auto- und Bürokratie – abhanden gekommen war.
Zu Puschkins Dandy-Freunden zählten seine militärischen Kollegen Caadaev und Kaverin, der Schauspieler Sosnickij, der berühmte Duellant Jakubovic, die Freunde Nascokin, Zavadovskij und Liprandi sowie die Dichter Ja. N. Tolstoj, F. F. Orlov und I. E. Velikopol’skij.
* Sam Driver: “The Dandy in Puskin.” In: The Slavic and East European Journal, Vol. 29, No. 3 (Autumn, 1985), S. 243-257.
