Dandysme

Historisches, Kulturelles und Literarisches zum Dandy

Heinrich St. John, Lord Vicomte Bolingbroke

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Es giebt einige Karaktere, die von Natur gebildet zu seyn scheinen, um in dem Kämpfen mit Gegnern Vergnügen zu finden, und deren angenehmste Stunden in Stürmen von ihrer eigenen Schöpfung vergangen sind. Der Gegenstand gegenwartiger Beschreibung war vielleicht von allen andern der unermüdetste, sich selber Feinde zu machen, um in Ueberwindung derselben seine Macht zu beweisen; und er gar nicht minder beschäftigt, seine vorzügliche Talente auszubilden, als Gegenstände zu finden, an welchen er ihre Thatigkeit üben konnte. Sein Leben ward in einem beständigen Streite von Staatshändeln zugebracht; und er hat, als ob dieses zum Kampfe zu kurz gewesen wäre, sein Andenken als eine Veranlassung zum fortwährenden Streite hinterlassen.

Es ist in der That keine leichte Sache, eine zugestandene Unparteilichkeit zu beobachten, wenn man von einem Manne redet, der in Rücksicht auf seine politische sowohl als religiöse Grundsätze so verschieden betrachtet wird. Von solchen, denen seine Politik gefällt, kann man sicher seyn, daß sie ihn wegen seiner Religion verdammen; und im Gegentheil, solche, die seinen theologischen Meinungen am stärksten zugethan sind, werden sehr wahrscheinlich seine politischen verschreien. Auf welcher Seite man ihn auch betrachten mag, so wird er gewis Gegner haben; und dies war vielleicht das, was er am meisten wünschte, da er von Natur ein Gemüth hatte, dem der Streit besser, als der Sieg, gefiel.

Heinrich St. John, Lord Vicomte Bolingbroke ward im J. 1672 zu Battersea in der Grafschaft Surry gebohren, auf einem Landgute, das seit Jahrhunderten im Besitz seiner Vorfahren gewesen war. Seine Familie war vom ersten Range, gleich glänzend wegen ihres Alterthums, ihrer Würden, und ihrer grossen Besitzungen. Man hat gefunden, daß sie ihren Ursprung schon vor den Zeiten der Eroberung durch Wilhelm den Eroberer von Adam de Port, Baron von Busing in Hampshire, herleite; und daß sie, in der Folge der Zeiten, Kriegshelden, Patrioten und Staatsmänner hervorgebracht habe, deren einige wegen ihrer Ergebenheit an den König, und andre wegen ihrer Vertheidigung der Rechte des Volks, berühmt waren. Da sein Grossvater, der Ritter Walter St. John von Battersea, eine von den Töchtern des Lords Oberrichters St. John, der, wie bekannt, der republikanischen Parthei sehr ergeben war, geheirathet hatte, so ward unser Heinrich in seiner Familie auferzogen, und sog also die ersten Grundsätze seiner Erziehung unter den Dissentienten ein. Um diese Zeit war Daniel Burgeß, ein ganz besondrer Schwärmer, der eben so viel Eifer als Eigensinn besaß, und wegen der Bosheit seiner Grillen sowohl als wegen der wüthenden Hartnäckigkeit seiner Grundsätze bekannt war, bei seiner Grosmutter als presbyterianischer Haus-Prediger, und diesen ernennte man zum Regierer der ersten Studien des jungen Heinrichs. Nichts ist so geschickt, ein empfindliches Gemüth zurück zu scheuchen, als misverstandener Eifer; und vielleicht mochte die Ungereimtheit des ersten Unterrichts, den er erhielt, ihm die Verachtung gegen alle Religionen beigebracht haben, die er mit Recht gegen eine eingesogen haben mag. In der That, keine Arbeit kann demüthigender seyn, als zu welcher man ihn verurtheilt hatte. Er sagt an einem Orte: “als ich noch ein kleiner Junge war, ward ich genöthigt, die Commentare des Dr. Manton durchzulesen, dessen Stolz es war, hundertundneunzehn Predigten über den hundert und neunzehnten Psalm zu machen.” Vom Dr. Manton und von seinen Predigten war es nicht wahrscheinlich, daß sie bei einem viel ausrichten würden, der, zur Entdeckung der Ungereimtheiten andrer, vielleicht der scharfsichtigste in der Welt war, so sehr man ihn auch beschuldigen kann, daß er viele von seinen eigenen eingeführt habe.

Jedoch diese traurige Unterweisungen währeten nicht sehr lange. So bald man es für schicklich hielt, ihn aus den Händen der Frauenzimmer zu nehmen, ward er nach der Schule zu Eaton gesandt, und von da nach dem Kollegium der Christkirche zu Oxford gebracht. Sein Kopf und sein Verstand wurden in beiden Pflanzschulen gesehen und bewundert; allein seine Liebe zum Vergnügen hatte so sehr die Oberhand, daß er sich mehr mit dem Bewustseyn seiner grossen Fähigkeiten, als mit ihrer Uebung, zu begnügen schien. Seinen Freunden, und solchen, die ihn sehr genau kannten, war indessen die Grösse seines Verstandes vollkommen bekannt; und als er die Universität verließ, betrachtete man ihn als einen, der die schönste Gelegenheit hätte, in dem thätigen Leben eine glänzende Figur zu machen.

Die Natur schien ihm in ihren äusserlichen Verschönerungen nicht minder günstig zu seyn, als in Ausschmückung seiner Seele. Mit den Annehmlichkeiten einer schönen Person, und mit einem Gesichte, in welchem Würde und Milde glücklich vermischt waren, hatte er einen sehr einnehmenden Anstand. Seine Lebhaftigkeit war allezeit aufgeweckt, und er hatte einen schnellen Begrif, einen feinen Witz, und ein erstaunliches Gedächtnis. Sein Scharfsinn im Denken und Urtheilen war ungemein; und alle diese Talente wurden mit einer Beredsamkeit gezieret, die unwiederstehlich war.

Bei einem Zusammenfluß von so vielen Naturgaben erwartete man, daß die Kunst bald ihre vollendende Hand reichen, und das, was der Jüngling so schön anfieng, bald in Vollkommenheit endigen würde. Allein so groß ist die Verkehrtheit der menschlichen Natur, daß ein Alter, welches zur Erlangung der Erkenntnis hatte angewendet werden sollen, in Vergnügungen verschleudert ward, und anstatt sich zu bestreben, in preiswürdigen Bemühungen sich hervor zu thun, schien Bolingbroke mehr den Ehrgeih zu haben, für den grossen Taugenichts der Stadt gehalten zu werden. Diesen Zeitraum hätte man mit dem Zeitpunkt der Gährung in Getränken vergleichen können, die trübe werden, ehe sie sich aufklären; man muß aber auch bekennen, daß solche Getränke, die nie gähren, selten klar werden. In diesem Zustande von Unordnung war er nicht ohne gute Zwischenzeiten; und selbst, als man von ihm wußte, daß er die Gumley, die theureste Hure im ganzen Reiche, unterhielt, und den grösten Vorrath von Wein, ohne trunken zu werden, vertragen konnte, selbst damals verachtete er seinen schandlichen Ehrgeitz. “Die Liebe zum Studieren, sagt er, und das Verlangen nach Kenntnissen, waren das, was ich in meinem ganzen Leben fühlte; und obgleich mein Genius, nicht so wie der Dämon des Sokrates, so leise sprach, daß ich ihn in dem Getümmel jener Leidenschaften, von welchen ich weggerissen ward, nicht hörete, so gab es doch einige ruhigere Stunden, in welchen ich auf ihn hörete.” Dieser geheimen Erinnerungen gab es in der That nur wenige, denn man erinnert sich seiner Ausschweifungen noch bis auf den heutigen Tag. Ich habe einen alten Mann gesprochen, der mich versicherte, daß er ihn und einen andern von seinen Mitgesellen, in einer trunkenen Stunde, ganz nackend durch den Park habe laufen gesehen; allein damals war eine Zeit, in welcher öffentliche Anständigkeit mit weniger Gefahr übertreten werden konnte, als gegenwärtig.

Wie nun, während diesem Zeitraum, alle seine Neigungen auf Vergnügen gerichtet waren, so schien auch sein Studieren blos dahin zu zielen. Seine ersten Versuche waren in der Dichtkunst, worin er mehr Witz als Geschmack, mehr Arbeit als Harmonie in seiner Versification, von sich blicken ließ. Man hat noch eine Probe von seinen Versen, die vor Drydens Virgil stehen, darin er dem Dichter schmeichelt, und seine Uebersetzung lobt. Man hat auch noch eine andre, die nicht so sehr bekannt ist, vor einem französischen Werke, das in Holland von dem Ritter de St. Hyacinthe herausgegeben ward, und den Titel führt: le Chef d’Oeuvre d’un lnconnu. Dieser Aufsatz ist ein launigtes Stück der Kritik über eine elende alte Ballade, und obgleich Bolingbrokes Kompliment in englischer Sprache geschrieben ist, so ist es doch mit griechischen Buchstaben gedruckt, so daß es auf den ersten Blick das Auge betrügen, und für wirkliches Griechisch genommen werden kann. Man hat noch ein Paar andre von seinen Aufsätzen, die nach seinem Tode erschienen sind, die aber weder seinen Fähigkeiten noch seinem Andenken Ehre machen.

Auf dieser tollen Laufbahn des Vergnügens gieng er eine Zeitlang fort; allein endlich im J. 1700, als er das acht und zwanzigste Jahr seines Alters erreicht hatte, fieng er an, an seiner bisherigen Lebensart ein Misfallen zu haben, und einzusehen, daß das sinnliche Vergnügen allein zur Glückseligkeit eines vernünftigen Geschöpfs nicht hinlänglich sey. Er machte daher den ersten Versuch, sich von seinem Zustande der Bethörung dadurch los zu reißen, daß er die Tochter und Miterbin des Ritters Heinrich Winchescomb, eines Nachkommen des berühmten Jack von Nervbury, heirathete, der, ob er gleich unter der Regierung Heinsrichs VIII nur ein Tuchmacher war, dennoch den König mit seinem ganzen Gefolge sehr prächtig bewirthen konnte. Diese Dame hatte ein Vermögen von mehr als vierzigtausend Pfund Sterling, und es fehlte ihr auch nicht an Vollkommenheiten des Geistes; allein es sey nun, daß er von seinen ehemaligen Vergnügungen noch nicht völlig gesättigt war, oder daß ihre Gemüthsart nicht mit der seinigen übereinstimmte, so ist so viel gewis, daß sie weit entfernt waren, in einer glücklichen Ehe zu leben. Nachdem sie eine Zeitlang zusammen gewohnt hatten, wurden sie einig, sich von einander zu trennen. Sie waren beiderseits gleich unzufrieden; er beschwerete sich über ihren Eigensinn, und sie über die Schamlosigkeit seiner Untreu. Einen grossen Theil ihres Vermögens erhielt sie, nach seiner Achtserklärung, zurück; allein da ihre Familiengüter auf ihn geschrieben waren, so besaß er dieselben nach ihrem Tode, nach Aufhebung seiner Achtserklärung.

Nachdem er den Entschlus gefaßt hatte, den Reizen des Vergnügens zu entsagen, und den starkem Reißen der Ehrsucht zu folgen, so bewarb er sich, bald nach seiner Heirath, um einen Sitz im Unterhause, und ward zum Repräsentanten des Burgfleckens Wotton-Basset in Wiltshire erwählet, welche Stelle sein Vater verschiedentlich bekleidet hatte. Ausser seinen natürlichen Talenten und grossem Vermögen besaß er noch andre sehr erhebliche Vortheile, die ihm im Parlemente ein Gewicht gaben, und seine Absichten auf Beförderungen unterstützten. Sein Grosvater, der Ritter Walter St. John, war noch am Leben, und das Ansehen dieses Herrn war in seiner Grafschaft Wilts so gros, daß er, unter einer vorigen Regierung, dieselbe in zweien Parlemenren repräsentirte. Auch sein Vater war damals Repräsentant für dieselbe, und das Ansehen der Familie seiner Gemahlin erstreckte sich im Unterhause sehr weit. Solchergestalt gelangte Bolingbroke durch manche zufällige Hülfsmittel zu seinem Sitze im Parlemente; sein vornehmstes und grösstes Hülfsmittel bestand aber in seinen eignen grossen Fähigkeiten.

Um diese Zeit waren die Partheien der Whigs und Tories sehr gegen einander, und hielten sich ziemlich das Gleichgewicht. In den letztem Jahren des Königs Wilhelm hatten die Tories, die sich aus jedem Grunde dem Hofe widersetzten, die Liebe des Volks erhalten, und fiengen nun an, ihren Nebenbuhlern öffentlich Widerstand zu thun. Robert Harley, nachheriger Graf von Oxford, ein steiferund hartnäckiger Tory, ward im J. 1700 zum Sprecher des Unterhauses erwählt, und verblieb, nach der Thronbesteigung der Königin Anne, im folgenden Jahre, bei diesem Amte. Bolingbroke war, wie vorher bemerkt ist, von je her unter den Dissentienten erzogen, seine Freunde neigeten sich zu dieser Parthei, und alle seine Verbindungen waren auf der Seite der Whigs. Allein, entweder geschähe es aus Grundsätzen, oder weil er merkte, daß die Parthei der Tories zunahm, und die Whigs abnahmen, er veränderte bald seine Verbindungen, und vereinigte sich mit Harley, für den er damals die gröste Achtung hatte. Er brachte ihm auch nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Meinung zu; die er schon vor dem Ende seiner ersten Sitzung sehr wichtig machte, da das Parlement schon an einem so jungen Redner die gröste Beredsamkeit mit der gründlichsten Beurtheilung gewahr ward. Im folgenden Jahre ward er für denselben Burgflecken abermal erwählt, und blieb bei seinen vorigen Gesinnungen, wodurch er ein solches Ansehen und einen solchen Einfius im Parlemente erlangte, daß man es für nöthig hielt, seine Verdienste zu belohnen. Er ward daher den 10ten April 1704 zum Kriegssekretar und des See-Wesens ernennt, da sein Freunv Harley kurz vorher zum Staatssekretär erhoben war.

Da nun solchergestalt die Parthei der Tories die gröste Macht in Händen hatte, so kann man leicht erachten, daß man zur Unterdrückung des Ansehens der Whigs alle Mittel angewendet, und ihr Aufkommen verhindert haben werbe; indessen ließ man doch auch den Verdiensten eines Feindes so sehr Gerechtigkeit wiederfahren, daß der Herzog von Marlborough, den man als das Haupt der entgegen gesetzten Parthei betrachten konnte, mit allen Nothwendigkeiten zur eifrigen Fortsetzung des Krieges in Flandern versehen ward und es ist merkwürdig, daß die wichtigsten Begebenheiten seiner Feldzüge, dergleichen die Schlachten von Ramillies und Blenheim waren, und verschiedene rühmliche Unternehmungen, die von dem Herzoge zur Abkürzung des Krieges durch irgend eine entscheidende Action geschahen, damals, als Bolingbroke Kriegsekretär war, vorfielen. In der That war er ein aufrichtiger Bewunderer dieses grossen Feldherrn, und gestand es bei aller Gelegenheit bis zum letzten Augenblick seines Lebens. Er kannte seine Fehler, er bewunderte seine Tugenden, und hatte den Ruhm, daß er ein Werkzeug zur Erhebung jener Triumphe gewesen sey, durch welche seine eigne Macht gewissermassen umgestossen ward.

Da die Angelegenheiten der Nation damals in einem eben so unbeständigen Zustande waren, als gegenwärtig, so ward Harley, nachdem er über drei Jahre an der Spitze gewesen war, nach seiner Reise genöthigt, sich den Whigs, die abermals die herrschende Parthei geworden waren, zu unterwerfen, und die Siegel abzugeben. Die Freundschaft zwischen ihm und Bolingbroke scheint um diese Zeit aufrichtig und uneigennützig gewesen zu seyn; denn der letztere wolle seinem Glücke folgen, und da er am nächsten Tage seine Geschäfte in der Administration niederlegte, so folgte er dem Beispiele seines Freundes, und gab selbst einen Beweis von Aufrichtigkeit sowohl als Mässigung. Dieses bewies er, als seine Mitgehülfen, die Tories, eine heftige Maasregel im Unterhause durchsetzen wollen, um die Prinzessin Sophie nach England zu bringen; denn Bolingdroke widersetzte sich derselben so tunstlich, daß man sie ohne Debatten fahren ließ. Man lobte dieserhalb seine Mässigung, aber vielleicht auf Unkosten seiner Klugheit.

Die Whigs schienen eine Zeitlang einen völligen Sieg gewonnen zu haben; und bei der Wahl eines neuen Parlements im J. 1708 ward Bolingbroke nicht wieder zu einem Mitgliede erwählt. Die darauf folgende Zwischenzeit von etwa zwei Jahren wendete er zum eifrigsten Studieren an, und diesen in der Einsamkeit zugebrachten Zeitraum pflegte er hernach immer als den geschäftigsten und mißlichsten seines Lebens zu betrachten. Allein seine Eingezogenheit ward bald unterbrochen, als seine Parthei noch einmal die Oberhand erhielt; denn da das Whigparlement im J. 1710 aufgehoben war, ward er von neuem zum Parlementsgliede erwählt; und nachdem Harley zum Kanzler und Unterschatzmeister des Schatzkammergerichts ernennt war, ward der wichtige Posten eines Staatssekretärs unserm Bolingbroke zu Theil, in welchem er so viel Genie und Unverdrossenheit von sich blicken ließ, als vielleicht nie im nämlichen Grade in einer Person vereinigt gewesen sind.

Die englischen Jahrbücher gedenken schwerlich eines Zeitumstandes, der kritischer war, oder der so mancherlei Geschicklichkeiten zur Anordnung erforderte. Bolingbroke befand sich damals in einer Sphäre, wo er genöthigt war, die Staatsmaschine, die mit tausend verschiedenen Bedrängnissen kämpfte, zu regieren: eine verzweiflungsvolle und aufgebrachte Partbei, deren Unterscheidungszeichen von je her gewesen ist, keinen, ausser sich, mächtig werden zu lassen; ein Krieg, der von einem geschickten Feldherrn geführt ward, welcher sein offenbarer Gegner war, und dessen Siege nur dazu dienten, ihn täglich fürchterlicher zu machen; ein auswärtiger Feind, der unerschöpfliche Hülfsmittel besaß, und bei jeder Niederlage neue Stärke zu sammeln schien; eine arglistige Allianz, die nur die Vortheile des Sieges gewinnen wolle, ohne zu den Kosten des Krieges beizutragen; eine schwache verfallende Königin, die sich durch jedes Gerücht bewegen ließ, und bereit zu sein schien, allem, was wider ihn vorgebracht ward, Gehör zu geben; und noch mehr, ein schwermüthiger, träger und mistrauischer College, der seine Macht beneidete, und ihn wegen seiner Geschicklichkeit haßte. Diese waren ein Theil von den Schwierigkeiten, mit welchen Bolingbroke in seinem Amte zu streiten hatte, und unter welchen er den Utrechter Friedensschlus regieren solte, der für eine der verworrensten Negotiationen, welche die Geschichte aufweisen kann, gehalten ward. Allein für seine Fähigkeiten und für seinen Fleiß schien nichts zu groß zu seyn; er unternahm das Werk mit Muth; er fieng an, sich zu dem vorgesetzten Friedensschlus dadurch den Weg zu bahnen, daß er das Volk mit der Fortsetzung des Krieges unzufrieden machte. Zu diesem Ende beschäftigte er sich, sehr genaue Verzeichnisse von der Anzahl der englischen und fremden Truppen, die zur verderblichen Fortsetzung desselben gebraucht wurden, zu entwerfen. Er schrieb sogar selbst einige Aufsätze in den damaligen periodischen Schriften, und zeigte, wie viel von der Last auf Englands Schultern lag, und wie wenig von denen getragen würde, die sich fälschlich seiner Allianz rühmten. Durch diese Mittel, und nach vielen Debatten im Unterhause erhielt die Königin eine Bittschrift vom Parlement, darin ihr die Ungemächlichkeiten vorgestellt wurden, welchen die Alliirten, durch Fortsetzung dieses Krieges, England unterworfen hatten, und folglich, wie nöthig es sey, einer so schlecht ausgedachten Verbindung ein Ende zu machen. Man kann sich leicht vorstellen, daß die Holländer, gegen welche diese Bittschrift vornehmlich gerichtet war, alles Mögliche thaten, sich derselben zu widersetzen; auch viele von den auswärtigen Höfen, mit welchen England in einigen Unterhandlungen stand, waren beständig geschäftig, des Ministers Absichten zu vereiteln. Ein Memorial ward nach dem andern überreicht; dem englischen Volk, dem Parlement, und dem ganzen Europa, ward die Ungerechtigkeit und Gefahr eines solchen Verfahrens vorgestellt. Dem ungeachtet fuhr Bolingbroke mit Standhaftigkeit und Entschlossenheit fort; und obgleich die Angriffe seiner einheimischen Feinde zur Beschäftigung seiner Aufmerksamkeit, für zureichend gehalten werden konnten, so war er doch genöthigt, indem er Materialien für die Presse zu London verschafte, auch zu gleicher Zeit an alle auswärtige englische Minister und Gesandten, Verhaftungsbefehle zu besorgen, die ohne seine Anweisungen nichts unternehmen wolten. Als ein Redner strengte er im Parlemente seine ganze Beredsamkeit an; er bestimmte alle die wichtigen Punkte, die dem Unterhause vorgelegt wurden; er beantwortete die Einwürfe, welche die Anführer der Gegenparthei vorbrachten; und alles dieses geschähe mit einem so glücklichen Erfolge, daß selbst seine Feinde, wenn sie sich seiner Macht widersetzten, doch seine Geschicklichkeit zugestanden. In der That, so gros waren die Schwierigkeiten, mit welchen er zu streiten hatte, daß er selbst einige Jahre nachher gestand, er habe auf diese grosse Begebenheit, nachdem sie geschehen war, nie anders, als mit einer geheimen Bewegung des Gemüths zurück sehen können, wenn er die Grösse der Unternehmung und die Wichtigkeit des Erfolges mit den dazu angewendeten Mitteln, und mit den Maasregeln, die zur Vereitelung seiner Absichten gebraucht wurden, verglichen hätte.

Indem er nun so emsig beschäftigt war, blieb er nicht ohne die Belohnungen, die auf solche Geschicklichkeiten, mit so vielem Fleisse verbunden, folgen verdienten. Im Jul. 1712 ward er zum Baron St. John von Lidyard Tregoze, in Wiltshire, und zum Vicomte Bolingbroke ernennt, durch welchen letzten von diesen Titeln er jetzt durchgängig bekannt ist, und vermuthlich auch bei der Nachkomenschaft bekannt bleiben wird. In demselben Jahre ward er auch zum Lord Lieutenant der Grafschaft Essex bestellt. Durch die Titel von Tregoze und Bolingbroke vereinigte er die Ehrenstellen der alten und jungen Linie seiner Familie; und vereinigte auch solchergestalt die entgegen gesetzten Vortheile zweier Linien, von welchen die eine sich wegen ihrer Treue für den König Carl l, und die andere wegen ihrer Liebe zum Parlemente, das ihm widerstand, hervorgethan hatte. Es war hernach sein Ruhm, daß er durch die Klippen, an welchen seine Vorfahren gescheitert hatten, glücklich durchgekommen sey; denn er hatte den Geist der Freiheit der einen Linie behauptet, und zugleich die Subordination anerkannt, durch welche die andre sich auszeichnete.

Bolingbroke, der solchergestalt sehr nahe bis zum Gipfel der Macht erhoben war, fieng nun an, die Fehler dessen, der diesen Platz einnahm, naher zu entdecken. Es kam ihm nun vor, als ob der Graf von Oxford, dessen Parthei er gefolgt war, und dessen Person er hochgeschätzt hatte, keinesweges ein so geschickter oder fleissiger Mann sey, als er sich ihn vorgestellt hatte. Er fieng nun an, in seinem Herzen der Freundschaft zu entsagen, die er ehedem für seinen Mitgehülfen hatte; er fieng an, ihn für treulos, niedertrachtig, nachlässig und neidisch zu halten; er fieng sogar an, seine Beförderung Oxfords Hasse zuzuschreiben, und zu glauben, daß er nach dem Oberhause blos darum versetzt sey, um ihn verächtlich zu machen. Dieser Verdacht war zum Theil wahr, zum Theil aber auch von Bolingbrokes Ehrgeitz eingegeben; denn da er sich feiner überlegenen Wichtigkeit und Fähigkeit bewußt war, so konnte er es nicht ertragen, einen andern zu sehen, der an der Spitze der öffentlichen Angelegenheiten stand, wenn er wußte, daß dieselben ihr meistes Glück seiner eigenen Führung zu danken hätten. Welche nun aber auch seine Bewegungsgründe gewesen seyn mögen, entweder Verachtung, oder Haß, oder Ehrgeitz, so ist so viel gewis, daß eine unversöhnliche Feindschaft zwischen diesen beiden Anführern ihrer Parthei erfolgte; ihr wechselseitiger Haß war so groß, daß sogar ihre eigene gemeinschaftliche Voltheile, die Lebhaftigkeit ihrer Negotiationen, und die Sicherheit ihrer Freunde, demselben völlig aufgeopfert wurden. Umsonst stellte Swift, der von ihnen um Rath gefragt ward, ihnen die unzeitige Unschicklichkeit ihrer Streitigkeiten vor; und daß, indem sie sich so innerhalb der Mauern zankten, der Feind von aussen einen unersetzlichen Schaden anrichtete. Bolingbrokes Antipathie war so gros, daß auch das gröste Glück ihm verhaßt gewesen seyn würde, wenn der Graf von Oxford daran Antheil gehabt hatte. Er verabscheuete ihn bis zu einem so hohen Grade, daß er nicht leiden konnte, mit ihm in irgend einem Falle vereinigt zu seyn; ja, selbst einige Zeit nachher, als ihrer beider Leben in Gefahr waren, konnte er sich nicht entschliessen, sich mit ihm über Maasregeln zu ihrer beiderseitigen Sicherheit zu berathschlagen, und zog selbst den Tod dem Scheine einer kurzen Freundschaft vor. Nichts konnte schwacher und unverstandiger seyn, als ihre wechselseitige Feindseligkeiten in diesen Zeitumständen; und man kann mit Wahrheit behaupten, daß Männer, die bei einer so kritischen Gelegenheit nicht ihre Empfindlichkeiten unterdrücken ober verbergen konnten, ungeschickt waren, an der Spitze irgend einiger Maasregeln zu stehen, ihre Betriebsamkeit oder ihre Fähigkeiten mochten auch noch so gros seyn. In der That geschähe es auch bald, daß ihre Uneinigkeiten nicht nur ihnen, sondern auch ihrer Parthei, einen völligen Untergang zuzogen; ihre Hofnungen waren schon seit einiger Zeit gesunken; die Whigs erhielten täglich mehr die Oberhand, und der Königin Tod zernichtete bald darauf völlig alle ihre Entwürfe und ihre Macht. Nach der Thronbesteigung des Königs George l fiengen die Gefahren an, der lehren Staatsverwaltung auf allen Seiten zu drohen; ob die Mitglieder derselben wirklich die Absicht gehabt haben, den Prätendenten zu unterstützen; oder ob die Whigs sich dieses Vorwands, um sie zu stürzen, bedient haben, ist ungewis; der König fieng aber bald an zu zeigen, daß sie von ihm weder Gunst noch Gnade zu erwarten hatten. Als er bei Greenwich ans Land trat, und der Hof ihm aufzuwarten kam, auch der Graf von Oxford unter die Zahl derselben war, vermied er mit allem Fleiß, ihn zu bemerken, und bezeugte seine Empfindlichkeit durch die Höflichkeiten, die er den Mitgliedern der entgegen gesetzten Parthei erwies. Einige Zeit vorher waren zur Regierung des Reichs-Regenten bestellt worden, und Addison ward zum Sekretär ernennt. Bolingbroke behielt noch seinen Platz als Staatssekretär, war aber der Verachtung der Grossen, und den Beschimpfungen der Geringen ausgesetzt. Der erste Schritt, der von ihnen, ihn zu demüthigen, geschähe, war der Befehl, daß alle an den Staatssekretär gerichtete Briefe und Pakete an Herrn Addison gesandt werden sollten; so daß also Bolingbroke zwei Tage nach der Königin Tode, in der That seines Amtes, d. i. der Verwaltung desselben, entsetzt ward. Dies war aber noch nicht das ärgste, denn, seine Krankungen wurden beständig durch die tagliche Demüthigung vermehret, daß er an der Thüre des Zimmers, in welchem die Regenten sässen, mit einem Beutel in der Hand warten, und die ganze Zeit über, als geschähe es mit Fleiß, der Beschimpfung derer ausgesetzt seyn mußte, die entweder durch ihre natürliche Bösartigkeit dazu versucht wurden, oder die, wenn sie ihn mishandelten, bei denen, die im Ansehen standen, sich beliebt zu machen hoffen.

Nach diesem plötzlichen Wechsel des Glücks, und nachdem ihm die Siegel waren abgefordert worden, begab er sich aufs Land. Er erhielt zwar eine Bothschaft vom Hofe, daß er gegenwärtig seyn solle, wenn man das Siegel von der Thüre des Sektetäramts abnehmen würde; er entschuldigte sich aber damit, daß eine so unbedeutende Handlung eben so gut von einem der Untersekretären geschehen könne; zugleich aber bat er um die Ehre, dem Könige die Hand zu küssen, dem er die tiefste Untertänigkeit bezeugte. Diese Bitte ward indessen mit Verachtung abgeschlagen; denn man hatte den König überredet, ihn als einen Feind zu betrachten, und derselbe verließ sich auch gänzlich zu seiner Sicherheit und Beschützung auf die Whigs.

Das neue Parlement, das meistens aus Whigs bestand, versammelte sich den 17ten März; in des Königs Rede vom Throne waren viele empfindliche Ausdrücke, und er warf den beiden Parlementern viele gewaltsame Maasregeln vor. Wenn Bolingbroke hievon redet, so sagt er: “Die ersten Schritte der beiden Häuser stimmten vollkommen überein, und, zur Schande des Oberhauses sey es gesagt, ich sähe um diese Zeit verschiedene Lords sich vereinigen, um mit einer allgemeinen Stimme das zu verdammen, was sie in einem vorhergehenden Parlemente durch viele besondre Entschliessungen gebilligt hatten. Unter den verschiedenen grausamen Entschlüssen, über welche um diese Zeit berathschlaget ward, war auch der, daß man mich wegen des Hochverrats anklagen wolle. Ich aber faßte den Entschlus, England zu verlassen, nicht aus einer panischen Furcht, die durch die Ränke des Herzogs von Marlborough zunehmen konnte, von dem ich auch um diese Zeit zu wohl wußte, daß man, in jedem Falle, nach seinem Rathe, oder Anweisung, handelte; sondern aus solchen Gründen, die das bald darauf erfolgte Verfahren genugsam rechtfertigten, und auf welche gebauet zu haben mich hernach nie gereuet hat. Solche, die meinen Entschlus in der ersten Hitze getadelt haben, wurden bald darauf genöthigt, ihre Sprache zu ändern; denn welchen andern Entschluss konnte ich fassen? die Verfolgungsart, die gegen mich beschlossen war, würde mich ausser Stand gesetzt haben, unmittelbar für mich selbst zu handeln, oder solchen zu dienen, die der Gefahr zwar minder ausgesetzt waren, als ich, aber doch immer in Gefahr sich befanden. Auf der andern Seite, wie wenige gab es, auf deren Beistand ich mich verlassen konnte, oder denen ich auch in diesen Umständen verpflichtet seyn wolle? Die Gahrung in der Nation war zu einer ziemlichen Höhe gestiegen; man hatte aber um diese Zeit keinen Grund zu hoffen, daß sie in das Verfahren des Parlements, zum Behuf derer, die angeklagt werden sollen, einen Einflus haben würde; seiner eigenen Bewegung überlassen, war es weit rathsamer, die gerichtlichen Belangungen rege zu machen, als zu unterdrücken; und wer war, der seine Vorschläge regierte? Der Tories, die sich einander bis zuletzt treu gewesen waren, war nur eine Handvoll, und von diesen konnte keine grosse Anstrengung erwartet werden: die Grillenfänger, deren Hoffnung, eine grosse Figur zu machen, nun vereitelt war, fiengen zwar an, sich mit ihren alten Freunden zu vereinigen. Einer der vornehmstm unter ihnen, der Graf von Anlesen, war so gütig, mir zu bekennen, daß, wenn der Hof die Bedienten der verstorbenen Königin zur Rechenschaft gefordert, und es dabei gelassen hätte, er sich selbst als einen Richter hatte betrachten, und nach seinem Gewissen handeln müssen; allein der Krieg sey nun der ganzen Parthei der Tories angekündigt worden, und die Umstände hätten sich sehr geändert. Diese Worte waren keines Commentars benöthigt, und bewiesen mir, daß ich mich in meinem Urtheil von diesen Leuten nie geirret hatte. Konnte ich mich also wohl entschliessen, denselben verpflichtet zu seyn oder mit Oxford zu leiden? So sehr ich auch von den Streitigkeiten, in welche ich in meinem ganzen Leben gegen die Whigs verwickelt ward, noch erhitzt war, so würde ich doch meine Sicherheit lieber ihrer Nachsicht, als dem Beistande der Grillenfänger, schuldig gewesen seyn; allein ich glaubte, daß die Verbannung, mit ihrem ganzen Gefolge von Uebeln, beiden vorzuziehen sey. So war die traurige Lage beschaffen, in welche er bei dieser Gelegenheit verseht ward; von der ganzen Menge seiner ehemaligen Schmeichler und Anhänger blieb ihm kaum einer übrig. Eine jede Stunde brachte ihm neue Nachrichten von seiner peinlichen Lage, und von den Gefahren, die ihm und seiner Parthei von allen Seiten drohten, prior, der bei dem Utrechter Frieden war gebraucht worden, war nach Dover zurückgekommen, und hatte versprochen, ihm alles, was er wisse, zu entdecken. Der Herzog von Marlborough pflanzte seine Kreaturen um Bölingbroke, welche die Gefahr listig zu vergrössern suchten; und es war wirklich eine Anklage im Werke, in welcher er des Hochverraths beschuldigt ward. Er bewieß also keinen grossen Grad der Furchtsamkeit, die erste Gelegenheit, der Gefahr zu entfliehen, zu ergreifen, und die ersten Aufwallungen der Erbitterung des Volks, zur Dämpfung der Flamme, die gegen ihn angefacht war, zu ertragen. Nachdem er also muthig zu erkennen gegeben hatte, wie sehr er die arglistigen Ränke gegen sich verachte; nachdem er in dem Schauspielhause von Drury Lane sich auf eine sehr sorglose Art gezeigt, und ein anderes Stück für den folgenden Abend bestellt hatte; nachdem er sich auch zu einer neuen Opera, die einige Zeit nachher gespielt werden solle, unterschrieben, und versichert hatte, daß er eine weitläuftige Vertheidigungsschrift aussetzen wolle, so machte er sich in der nämlichen Nacht verkleidet davon nach Dover, als ein Bedienter des le Vigne, eines dem Könige von Frankreich zugehörigen Couriers; und daselbst hatte Wilhelm Morgan, der unter dem Dragonerregiment des Generals Hauptmann gewesen war, ein Schiff gemiethet, in welchem er ihn nach Calais brachte, woselbst der Gouverneur ihn in seiner Kutsche erwartete, und mit allen möglichen Ehrenbezeugungen nach seinem Hause führte.

Die Nachricht von Bolingdrokes Flucht ward bald in der ganzen Stadt bekannt; und schon am nächsten Tage gieng ein Brief von ihm an den Lord Lansdowne gedruckt herum, folgenden Inhalts:

»Mylord!

»Ich verließ die Stadt so plötzlich, daß ich keine Zeit hatte, weder von Ihnen, noch von irgend einem meiner andern Freunde, Abschied zu nehmen. Sie werden mich entschuldigen, wenn ich Ihnen versichere, daß ich von einigen, die um die geheimen Angelegenheiten wissen, sichere und wiederholte Nachrichten hatte, daß von denen, in deren Macht es stehet, solches abzuführen, der Entschlus gefaßt war mich bis zum Blutgerüste zu verfolgen. Mein Blut solle zur Befestigung einer neuen Verbindung dienen; auch meine Unschuld konnte mir keine Sicherheit gewähren, nachdem mein Blut einmal von auswärts gefordert, und in meinem Vaterlande beschlossen war, daß es nöthig sey, mich aus dem Wege zu räumen. Hätte ich, der ich bereits von den beiden Parlementen unverhört verurtheilt war, den geringsten Grund gehabt, ein ehrliches und unparlheiisches Verhör zu hoffen, so würde ich mich nicht der strengsten Prüfung entzogen haben. Ich fordere den Unversöhnlichsten von meinen Feinden auf, irgend einen Beweis von meinem strafbaren Briefwechsel, oder von der geringsten Bestechung irgend eines Theils der Staats-Verwaltung, in welche ich verwickelt war, anzuzeigen. Wenn mein Eifer für die Ehre und Würde meiner Königin und für das wahre Beste meines Vaterlandes mich jemals verleitet hat, einen heftigen oder unbedachtsamen Ausdruck fahren zu lassen, so hoffe ich, daß man davon die günstigste Erklärung machen werde. Es gereicht mir zu einem Tröste, der mich in allem meinem Unglück begleiten wird, daß ich meiner Königin treulich und redlich gedient habe, besonders darin, was ihr am meisten am Herzen lag, daß ich ihr Volk von einem blutigen und kostbaren Kriege befreiet habe, und auch zu sehr ein Engländer gewesen bin, um die Wohlfahrt meines Vaterlandes irgend einem auswärtigen Bundsgenossen aufzuopfern; und eben dies ist das einzige Verbrechen, warum ich jetzt vertrieben werde. Sie sollen nächstens mehr von mir hören. Ich bin etc.»

Kaum ward es allgemein bekannt, daß er nach Frankreich geflohen war, als man auch schon seine Flucht für einen Beweis seines Verbrechens ausgab; und seine Feinde setzten daher seine Anklage mit verdoppelten Eifer fort. Robert Walpole, der unter der vorigen Regierung wegen seiner Neigung zu der Parthei der Whigs viel gelitten hatte, nahm es nun auf sich, die Anklage gegen ihn im Unterhause anzufangen und fortzusetzen. Seine Beschuldigung bestand aus sechs Artikeln, die Walpole dem Parlement vorlaß, und folgendes Inhalts waren. Erstlich, da der Lord Bolingbroke die holländischen Gesandten versichert habe, daß die Königin keinen Frieden, als in Verabredung mit ihnen, schlössen würde, so habe er dennoch, im nämlichen Jahre, der Herrn prior mit Vorschlägen zu einem Frieden mit dem Könige nach Frankreich gesandt, ohne Beistimmung der Bundsgenossen. Zweitens, er habe dazu gerathen, und es befördert, daß mit Frankreich ein besondrer Tractat oder Convention geschlossen, und im September unterzeichnet ward. Drittens, er habe dem Herrn Niesenager, französischem Minister zu London, diese Convention entdeckt, welche die vorlaufigen Verhaltungsbefehle der königlichen Bevollmächtigten zu Utrecht war. Viertens, der Königin letzte Befehle an ihre Bevollmächtigte seyen von ihm dem Abbe Gualtier, einem französischen Kundschafter, entdeckt worden. Fünftens, er habe den Franzosen die Art entdeckt, wie Tournay in Flandern könne weggenommen werden. Und endlich, er habe dazu gerathen, und es befördert, daß Spanien und Westindien dem Herzoge von Anjou, der damals ein Feind der Königin war, überlassen würde. Diese Artikel wurden von Walpole mit grossem Eifer vorgetragen, und mit aller der Beredsamkeit, deren er Meister war, vergrössert. Er forderte einen jeden im Unterhause auf, zum Behuf des Angeklagten aufzutreten; und behauptete, daß, wenn man ihn verteidigte, man gewissermassen an seinen Verbrechen Theil nehme. Bei dieser allgemeinen Bestürzung der Parthei der Tories war eine Zeitlang niemand, der sich führte; allein endlich stand der General Roß, der vom Bolingbroke einige Wohlthaten erhalten hatte, muthig auf, und sagte, er wundre sich, daß kein Geschickterer, als er, gefunden werde, der zur Vertheidigung des Angeklagten erscheine. Indem er aber fortfahren wolle, hielt er so oft ein, daß er genöthigt war, sich nieder zu setzen, und nur noch bemerkte, er wolle das, was er noch zu sagen habe, einer andern Gelegenheit vorbehalten. Man kann leicht erachten, daß die Whigs keine grosse Schwierigkeit fanden, die Stimme für seine Anklage durch das Unterhaus durchzusetzen. Sie ward den 10ten Junius 1715 in diesem Hause vorgetragen; man sandte sie hierauf den 6ten August ins Oberhaus, und dem zu Folge ward er schon am 10ten September des Hochverraths beschuldigt. Nichts konnte ungerechter seyn, als ein solches Urtheil; allein die Gerechtigkeit war schon lange in dem Partheigeiste erstickt worden.

Bolingbroke sähe nun wohl, daß alle seine Hofnungen in seinem Vaterlande vereitelt waren, und er fieng daher an, darauf bedacht zu seyn, wie er seinen unglücklichen Zustand auf dem festen Lande verbessern könnte. Er hatte England mit einem sehr kleinen Vermögen verlassen, und seine Achtserklärung schnitt ihn, aufs künftige alle Hülfsquellen gänzlich ab. In dieser traurigen Lage fieng er an, einigen Vorschlagen Gehör zu geben, die von dem Prätendenten, der sich damals zu Barr aufhielt, und den Bolingbroke gern zu seinen geheimen Nachschlagen ziehen wolte, an ihn gelangt waren. Einer von solchen Vorschlägen ergieng an ihn bald nach seiner Ankunft zu Paris, und vor seiner Achtserklärung; allein da er noch einige Hoffnungen hatte, in England glücklich zu seyn, so schlug er ihn schlechterdings aus, und wendete alle seine Kräfte an, dem Aeussersten seiner Verfolgung vorzubeugen.

Er hatte seit einiger Zeit auf eine Gelegenheit sich zu bestimmen, gewartet, als er es auch schon für vergeblich hielt, an seiner Wiederherstellung in seinem Vaterlande zu denken. Er machte seinen Jacobinischen Freunden in England bekannt, daß sie ihm nur zu befehlen hätten, und daß er alsdenn bereit sey, zu ihrem Diensie alles das wenige Uebrige eben so gern zu wagen, als er schon alles Verlohrne gewagt hatte. Edlich (sagt er, wenn er von sich selber redet) kamen diese Befehle an, und wurden auf folgende Art ausgeführt; Derjenige, der an mich abgefertigt war, kam im Anfange des Julius 1715 an dem Orte an, wo ich mich in Dauphins aufhielt. Er redete im Namen aller der Freunde, deren Ansehen bei mir einigen Einfluß haben konnte; und versicherte, Schottland sey nicht nur bereit, zu den Waffen zu greiffen, sondern auch sehr unzufrieden, daß es davon abgehalten würde; in England sey das Volk gegen die Regierung so sehr aufgebracht, daß es, dazu aufgemuntert zu werden, so wenig bedürfe, daß es nicht abgehalten werden könnte, dieselbe bei jeder Gelegenheit zu beschimpfen; die ganze Parthei der Tories seyen offenbare Jacobiten geworden, viele Officiers der Armee und der gröste Theil der Soldaten wären der Sache günstig; die Stadt London sey geneigt, sich zu empören, und die Vorschläge, sich verschiedener Plätze zu bemächtigen, wären zur Ausführung reif; mit einem Wort, die meisten von den vornehmsten Tories waren mit dem Herzoge von Orsmond übereinstimmig, (denn ich hatte darauf bestanden, umständlich unterrichtet zu seyn, ob der Herzog allein handle? und wenn nicht, welche seine Räthe wären?) und die andern wären so gesinnt, daß kein Zweifel übrig sey, daß sie sich, wenn nur erst der erste Streich geschehen wäre, mit uns vereinigen würden. Er setzte, noch hinzu, daß meine Freunde sich ein wenig wunderten, mich in solchen Umständen so partheilos zu sehen. Er stellte mir die Gefahr, der ich mich aussetzte, vor, wenn ich mir von Leuten auf allen Seiten in der Ehre, diese Unternehmung bald anzufangen, zuvorkommen ließ, und wie unbegreiflich es von einem unter der gegenwärtigen Regierung angeklagten und in die Acht erklärten Mann seyn würde, wenn er keinen Antheil nehmen wolle, eine Staatsveränderung zu Stande zu bringen, die so leicht und so gewis wäre. Er ersuchte mich, daß ich nicht länger aufschieben möchte, mich zum Prätendenten zu verfügen, ihm in Besorgung seiner Angelegenheiten zu rathen und beizustehen, und am französischen Hofe zu bitten und zu unterhandeln, an welchem, wie meine Freunde glaubten, es mir nicht an einer günstigen Aufnahme fehlen würde, und von welchem, wie sie nicht zweifelten, in einer kritischen, so unerwarteten, und so viel verbrechenden Lage der Sachen Beistand zu erwarten. Er beschloß damit, daß er mir einen Brief von dem Prätendenten, den er auf dem Wege zu mir gesehen hatte, überreichte, in welchem er sehr in mich drang, daß ich mich ohne Zeitverlust nach Comercy verfügen solte; und diese Bitte gründete sich auf die Bothschaft, die der Ueberbringer des Briefes mir von England gebracht, hatte. In der weitern Unterredung erzählte mir der Bothe eine Menge von Thatsachen, die mich in Rücksicht auf die allgemeine Gesinnung des Volks befriedigten; allein in Rücksicht auf die Maasregeln, die man zur Unterstützung dieser Gesinnung genommen hatte, um die Sache, wenn sie zu einer Staatsveränderung dienen solte, mit Eifer zu betreiben, oder dieselbe, wenn es zum Kriege kommen solte, zum Vortheil anzuwenden, , hierin gab er mir nur wenig Genugthuung. Als ich ihn wegen verschiedener Personen fragte, deren Widerwillen gegen die Regierung keinen Zweifel zuließ, und deren Namen, Beschaffenheit und Erfahrung zum glücklichen Erfolg der Unternehmung sehr nöthig waren; so gestand er mir, daß sie eine grosse Zurückhaltung beobachteten, und daß sie höchstens nur andre durch allgemeine und dunkle Ausdrücke zur Thätigkeit aufmunterten. Ich erhielt diese Nachricht und Aufforderung krank in meinem Bette, da aber die Sache wichtig war, so waren nur wenige Minuten zu meiner Entschließung nöthig. Die noch fehlenden Umstände, um einen vernünftigen Bewegungsgrund, mich einzulassen, zu haben, entschuldigten mich nicht; allein der peinliche Verdrus über eine Bill der Achtserklärung juckte mir in jeder Ader, und ich stellte mir meine Parthei vor, wie sie unter dem Druck war, und mich zum Beistande aufforderte. Ueberdies überlegte ich zuerst, daß ich, wenn ich mich mit dem Prätendenten besprechen würde, von vielen besondern Umständen, die dem Böten unbekannt waren, unterrichtet werden könnte; denn ich bildete mir nicht ein, daß die Engländer zur Ergreifung der Waffen so nahe, als er es vorstellte, seyn könnten, und zwar aus keinem andern Grunde, als der war, den er darstellte.

Da nun Bolingbroke auf diese Weise eine Zeitlang mit sich selber gekämpft, und seinen Entschlus gefaßt hatte, so verlohr er keine Zeit, sich zum Prätendenten nach Commercy zu verfügen, und nahm die Siegel von diesem Namenkönige so an, wie er ehemals jene von seiner mächtigen Königin angenommen hatte. Allein dies war freilich ein schrecklicher Abfall; und schon die erste Unterredung, dis er mit diesem schwachen Projectenmacher hatte, gab ihm von dem künstigen Erfolge die ungünstigsten Erwartungen. Er sprach mit mir (sagt Bolingbroke) wie ein Mann, der in jedem Augenblick erwartete, nach England oder Schottland abzuseegeln, der aber doch noch nicht recht wußte, nach welchem Reiche; und als er sich in die besonderen Umstände seiner Angelegenheit einließ, merkte ich wohl, daß er wegen des ersteren Reichs nichts umständlicheres oder zuverlässigeres wußte, als was ich bereits erzählt habe. Allein der Herzog von Ormond hatte sich auf einige Zeit, ich kann nicht sagen, wie lange, mit dem Prätendenten eingelassen: er hatte die Direction der ganzen Sache, so fern sie England betraf, auf sich genommen, und zu dem Ende eine Vollmacht erhalten, dadurch ihm die gröste Macht ertheilt ward, die gegeben werden konnte. Indessen war doch noch alles ungewis, unbestimmt, und mißverstanden. Der Herzog hatte von Frankreich eine kleine Anzahl von Truppen, eine Summe Geldes, und einigen Kriegsvorrath erbeten; allein auf den ersten Theil seiner Bitte erhielt er geradezu eine abschlägige Antwort, doch ward ihm Hofnung gemacht, daß er einige Waffen und Kriegsvorrath erhalten solle. Dies waren nur sehr dunkle Aussichten; allein die Hofnung bließ die unterdrückte Parthei so sehr auf, daß sie von nichts Geringeres, als von einer baldigen Staatsveränderung, redeten. Es war ihr Vortheil, geheim und betriebsam zu seyn; da sie aber durch ihre Leidenschaften erhitzt wurden, so zweifelten sie nicht, eine Regierung, mit welcher sie misvergnügt waren, umzustossen, und sie machten einen so grossen Lerm, als kurz vor einem allgemeinen Aufstande zu machen unverständig gewesen seyn würde.

So waren die Umstände beschaffen, als Bolingbroke ankam, sein neues Amt zu Commercy anzutreten; und ob er gleich den traurigen Zustand der Parthei, in welche er sich eingelassen hatte, gewahr ward, so entschloß er sich doch, seinen Aufträgen den besten Anstrich zu geben, der ihm möglich war, und begab sich auf den Weg nach Paris, um von diesem Hofe die nöthigen Hülfemittel zum Einfall seines neuen Herrn in England zu verschaffen. Allein seine Aufnahme und Unterhandlungen zu Paris versprachen noch weniger, als die zu Comercy, und nichts als eine völlige Bethörung schien eine jede von seiner Parthei genommene Maasregel vorzuschreiben. Er fand daselbst eine Menge von Leuten beschäftigt, und ein jeder that, was ihm gut düngte, ohne Subordination, ohne Ordnung, ohne Verabredung. Die Jacobiten hatten sich einander aufgemuntert, den glücklichen Erfolg der gegenwärtigen Unternehmungen als unfehlbar zu betrachten. Ein jedes Versammlungshaus, wie er selbst sagt, das der Pöbel niederriß, ein jeder trunkener Auflauf, der sich zutrug, diente ihnen zur Bestätigung ihrer hitzigen Erwartungen; und es war kaum einer unter ihnen, der nicht das Ansehen haben wolle, als ob er durch seine Ränke zur Wiedereinsetzung des Prätendenten etwas beitrüge, die, wie er für gewis annahm, in einigen wenigen Wochen würde zu Stande gebracht seyn.

Furcht und Hoffnung lasten, wie Bolingbroke sagt, auf eines jeden geschäftigen Irländers Gesichte; solche, die lesen und schreiben konnten, hatten Briefe aufzuweisen, und solche, die zu diesem Gipfel der Gelehrsamteit nicht gelangt waren, hatten ihre Geheimnisse sich ins Öhr zu raunen. Kein Geschlecht war von dieser Staatsverwaltung ausgeschlossen; Fanny Oglerhorpe hatte darin ihre Stelle, und Olive Trant, eine Frauensperson vom nämlichen zweideutigen Ruf, war das grosse Rad von dieser politischen Maschine. Die ungereimte Korrespondenz ward mit England von Leuten von gleicher Wichtigkeit getrieben, die sehr geschäftig waren, in die Ohren eines Feindes Lerm zu blasen, welchen zu überraschen ihr Vortheil erforderte. Hierdurch ward, wie er selbst uns zu berichten fortfährt, die Regierung von England auf ihre Huth gesetzt, und ehe er daher nach Paris kam, war schon alles, was man vornahm, entdeckt. Von der kleinen Zurüstung, die zu Havre de Grace geschähe, die dem Prätendenten das einzige Mittel, an den Küsten von Brittannien zu landen, verschafte, und die den Schatz von St. Germains erschöpft hatte, ward öffentlich gesprochen. Der Graf von Stair, damaliger englischer Gesandte zu Paris, entdeckte sehr bald ihre Bestimmung und alle die besondern Umstände des vorgesetzten Einfalls; die Namen derer, von welchen Hülfsmittel kamen, und die sich in der Unternehmung besonders geschäftig bewiesen, wurden an den Theetischen und in den Kaffeehäusern sich einander in die Ohren gezischelt. Kurz, entweder durch die Unklugheit der Projectenmacher, oder durch den Privatnutzen und die ehrgeitzigen Absichten der Franzosen, kamen die geheimesten Unterhandlungen ans Licht; und solche von den klügern Verschwornen, die sich einbildeten, daß sie ihre Geheimnisse nur einem oder zweien Freunden anvertrauet hätten, waren wirklich der Willkühr sehr vieler überlassen. In solche Gesellschaft, ruft Bolingbroke aus, war ich um meiner Sünden willen gerathenl Indessen fuhr er doch fort, auf dem grossen Ocean ohne Kompaß fortzurudern, bis der Tod Ludwigs XIV, und die Ankunft des Herzogs von Ormond zu Paris alle seine Bemühungen vergeblich machten. Ungeachtet dieser ungünstigen Umstände fuhr er doch fort, verschiedene Bothschaften und Anweisungen nach England abzufertigen, auf welche er sehr unbefriedigende und zweideutige Antworten erhielt. Unter diesen war auch eine Schrift, die er zu Chaville, in Verbindung mit dem Herzog von Ormond, Marschall von Berwick und de Torcy, aufgesetzt hatte, die kurz vor dem Tode des Königs von Frankreich nach England übersandt ward, und darin er vorstellte, daß Frankreich den Forderungen ihrer Bittschrift kein Genüge thun könne, und um guten Rath ersuchte, was nun zu thun sey. Er erhielt darauf eine Antwort durch den französischen Staatsstkretär, worin sie sich für unfähig erklärten, etwas eher zu sagen, als bis sie sähen, welche Wendung die Sachen nach dem Tode des Königs von Frankreich, den sie erfahren hatten, nehmen würde. Als bei einer andern Gelegenheit eine Bothschaft aus Schottland kam, um den Prätendenten zu bewegen, daß er den Aufstand der Schotten beschleunigen möchte, fertigte er einen Bothen nach London an den Grafen von Mar ab, und ließ ihm sagen, wie man sehr wünschte und erwartete, daß England sich in dem Aufstande vereinigen möchte; allein anstatt daß dieser Graf hätte auf Verhaltungsbefehle warten sollen, war er bereits nach den Hochlandern abgegangen, und hatte sich wirklich an die Spitze seiner Clans gestellt. Nachher fertigte er, mit Einwilligung des Herzogs von Ormond, einen gewissen Hamilton, der alle Schriften, damit sie nicht in andre Hände fallen möchten, auswendig lernte, an ihre Freunde in England ab, und ließ ihnen melden, daß, obgleich der Prätendent von aller Hülfe, und von allen vernunftigen Erwartungen derselben, entblöst sey, er doch, in jeder Minute, in England oder Schottland, wie sie es für gut fänden, landen wolle; und daß sie also unmittelbar darauf, nachdem sie die Depeschen an ihn abgefertigt hätten, marschiren möchten. Zu dieser Bothschaft kehrte Hamilton sehr bald wieder zurück, nebst einer Antwort, die ihm vom Lord Lansdowne im Namen aller derer, die ums Geheimnis wußten, gegeben, und des Inhalts war, daß, da die Sachen täglich schlimmer, und durch Verzögerung nicht besser werden würden, die Mißvergnügten in England beschlossen hätten, sich unverzüglich öffentlich zu erklären, und bereit seyn würden, sich mit dem Herzog von Ormond bei seiner Landung zu vereinigen. Sie setzten noch hinzu, daß seine Person in England eben so sicher seyn würde, wie in Schottland; daß es in jeder Rücksicht bester sey, wenn er in England landete; daß sie ihre äussersten Kräfte angewendet hätten, und hoften die westlichen Grafschaften würden zu seiner Aufnahme in einer guten Verfassung seyn; und daß er so nahe als möglich bei Plymouth landen möchte. Mit diesen Versicherungen schifte sich der Herzog ein, ob er gleich schon vorher gehört hatte, daß man sich vieler von seinen eifrigsten Anhängern, bemächtiget; viel mehrere zerstreuet, und alle in Bestürzung gesetzt hätte. Als er demnach bei seiner Ankunft zu Plymouth nichts in Bereitschaft fand, kehrte er nach Bretagne zurück. In diesen Umständen ließ der Prätendent selbst für sich zu Dünkirchen ein Schif in Bereitschaft halten, in welchem er nach Schottland seegelte, da er indessen den Lord Bolingbroke zu Paris ließ, um zu versuchen, ob nicht durch irgend ein Mittel einige Hülfe verschaft werden könne, ohne welche alle Hofnungeu zu einem glücklichen Erfolg zu Ende waren. Während seiner Unterhandlung über dieses elende Geschäfte geschähe es, daß er von Madame Trant (einer Frauensperson, die sich einige Zeit vorher bei dem Regenten von Frankreich dadurch eingeschmeichelt hatte, daß sie ihn mit Buhlschwestern aus England versähe) nach einem kleinen Hause in dem Bois de Boulogne eingeladen ward, wo sie mit der Demoiselle Chaussery einer sehr alten Kammerfrau, die zum Hofe des Regenten gehörte, wohnete. Durch diese wurden ihm die Maasregeln bekannt gemacht, deren man sich zum Vortheil des Herzogs von Ormond bedient hatte; wiewohl Bolingbroke, der doch wirklicher Sekretär bei der Unterhandlung war, nie als Vertrauter in ihren Geheimnissen war zugelassen worden. Er war daher ein wenig verwundert, als er sähe, daß solche schlechte Agenten ohne sein Wissen gebraucht waren, und fand sie bald zu dem Geschäfte gänzlich ungeschickt. Er entzog sich demnach bald solchen elenden Gehülfen, und der Regent selbst schien über seinen Abfall sehr vergnügt zu seyn.

Mittlerweile seegelte der Prätendent von Dünkirchen nach Schottland. Ob nun gleich Bolingbroke schon immer eingesehen hatte, daß seine Sache ohne Hofnung, und seine Entwürfe schlecht ausgedacht wären; ob er gleich in dessen Dienste nichts als Widerstand und Verdrus erfahren hatte; so hielt er doch dafür, daß es jetzt am wenigsten Zeit sey, in seinem Eifer für die Sache nachzulassen. Er versäumte demnach jetzt keine Mittel, und vergaß keinen Grund, den ihm sein Verstand gewähren konnte, um sich un den französischen Hof zu wenden; allein sein Glück entsprach seiner Betriebsamkeit nicht. Ludwig der vierzehnte, der selbst nicht im Stande war, den Prätendenten mit Geld zu versehen, hatte einige Zeit vor seinem Tode an seinen Enkel, den König von Spanien, geschrieben, und von demselben ein Versprechen von vierzigtausend Kronen erhalten. Ein kleiner Theil dieser Summe war von dem Schatzmeister der Königin zu St. Germains erhalten, und theils nach Schottland, gesendet, theils zur Bestreitung der Kosten, die täglich auf der Küste gemacht wurden, angewendet worden – zugleich aber wendete sich Bolingbroke an den spanischen Gesandten zu Paris, und bat bei dem Minister, am Hofe zu Madrid dringend um Hülfe. Er sorgte dafür, daß eine Anzahl von Officieren, die unter den irländischen Regimentern in Frankreich dienten, ausgesucht wurden, schrieb ihnen ihren Weg vor, und besorgte ein Schif, sie aufzunehmen und nach Schottland zu bringen. Indessen lief aber das Geld so langsam ein, und in so kleinen Summen, daß wenig damit ausgerichtet werden konnte; und die Officiers waren schon auf dem Wege zum Prätendenten. Zu gleicher Zeit machte er den Entwurf, zu der Unternehmung einige französische Kaperschiffe anzunehmen, die auf ihrer Reise, alle Notwendigkeiten zu einem jeden Theile von Brittannien transportiren, und sodann, unter des Prätendenten Vollmacht, kreuzen sollen. Er hatte sich schön wirklich mit einigen verglichen, und es stand in seiner Macht, auch mit andern den Handel zu schließen. Auf der einen Seite konnte ihnen Schweden, und auf der andern Schottland zum Zufiuchtsorte dienen; und wenn der Krieg in irgendeinem Theile von den gebürgigten Gegenden wäre fortgeführt worden, so würde diese Zurüstung von dem größten Nutzen gewesen seyn. Allein, alle seine Entwürfe und Unterhandlungen schlugen fehl, wegen der übereilten Zurückkunft des Prätendenten, der nicht über sechs Wochen auf seine Unternehmung zugebracht hatte, und aus Schottland geflohen war, ehe zu seiner Vertheidigung alles war versucht worden.

Nachdem nun solchergestalt die Unternehmung völlig vereitelt war, so glaubte Bolingbroke, daß es sowohl seine Pflicht als sein Vortheil sey, die armseeligen Ueberreste der muthlosen Parthei zu retten. Er hatte, ehe sich der Prätendent auf den Weg machte, von dessen Glücke nie eine grosse Meinung; nachdem derselbe aber den letzten Schritt, der in seiner Macht stand, gethan hatte; so beschloß unser Lord, nicht länger zu leiden, daß weder er noch die Schotten Spielwerke ihrer Leichtgläubigkeit und der schändlichen Ränke des französischen Hofes seyn sollen. In einer Unterredung, die er mit dem Marschall de Hüxelles hatte, nahm er Anlas zu sagen, er wolle sich nicht zum Werkzeuge, die Schotten bei der Nase herum zu führen, gebrauchen lassen; und da er nicht im Stande sey, ihnen einige andere Dienste zu leisten, so wolle er ihnen wenigstens Nachricht geben, wie wenig sie sich auf Frankreichs Hülfe verlassen könnten. Er setzte hinzu, er wolle ihnen Schiffe senden, die mit denen, die bereits an der Küste von Schottland sind, dazu dienen könnten, den Prätendenten, den Grafen von Mar, und so viele andre, als sie fassen könnten, abzuhohlen. Der Marschall billigte seinen Entschlus, und rieth ihm, denselben als das einzige, was noch übrig wäre, auszuführen. Allein mittlerweile war der Prätendent zu Gravelingen angekommen, und hatte befohlen, daß alle seinetwegen nach Schottland bestimmte Schiffe zurückbleiben solten. Bolingbroke sähe ihn den Morgen nach seiner Ankunft zu St. Germains, und ward von demselben mit offenen Armen empfangen.

Sobald Bolingbroke von seiner Zurückkunft gehört hatte, verfügte er sich, wie es das Amt eines Sekretärs erforderte, mit dieser Nachricht an den französischen Hof, woselbst man ihm sehr empfahl, dem Prätendenten zu rathen, daß er sich mit aller möglichen Geschwindigkeit nach Bar begeben möchte; mit welcher Meinung Bolingbroke völlig übereinstimmte. Allein der Prätendent selbst war nicht so eilfertig; er wolle sich gern einige Zeit zu St. Germains und in der Nachbarschaft von Paris aufhalten, und eine geheime Zusammenkunft mit dem Regenten haben; er fertigte also unsern Bolingbroke ab, um eine solche Zusammenkunft zu bitten, der auch bei dieser Unterhandlung alle seine Kräfte anwendete. Er redete mit dem Marschall de Hüxelles und schrieb an ihn, der ihm auch mündlich und schriftlich antwortete, seine Bitte aber auf die eine sowohl als andre Art abschlug, und ihm versicherte, der Regent habe gesagt, es waren lauter Kindereien, die man forderte, und geschworen, daß er ihn nicht sehen wolle. Bolingbroke, der mit seinem schlechten Glücke keinesweges unzufrieden war, kehrte mit dieser Antwort zu seinem Herrn zurück, der sich mit dieser Entscheidung beruhigte, und bezeugte, daß er sich sogleich nach Lothringen verfügen wolle; zugleich aber ihn versicherte, daß er sich auf seine Redlichkeit verlasse. Allein anstatt daß der Prätendent, wie er versprochen hatte, sich nach Lothringen verfügen solle, begab er sich zu einem kleinen Hause in dem Bois de Boulogne, wo seine weibliche Minister wohnten, blieb daselbst verschiedene Tage, sähe die spanischen und schwedischen Gesandten, und den Regenten selbst. Vielleicht mag es in diesen Zusamenkünften geschehen seyn, daß er gegen seinen neuen Sekretär eingenommen und bewogen ward zu glauben, daß er in seinem Amte nachlässig gewesen sey, und sein Vertrauen gemisbraucht habe. Dem sey aber, wie ihm wolle, einige Tage darauf kam der Herzog von Ormond zum Besuch bei Bolingbroke, und nachdem er ihn zu der Nachricht zubereitet hatte, überreichte er ihm eine an den Herzog gerichtete Schrift, nebst einem beschriebenen Stückchen Papier für den Sekretär; sie waren beide von dem Prätendenten eigenhändig geschrieben, und so datirt, als ob sie auf seiner Reise nach Lothringen geschrieben wären. Allein hierin ließ sich Bolingbroke nicht betrügen, der den Ort seines gegenwärtigen Auffenthalts wohl wußte. In einem von diesen Papieren bezeugte der Prätendent, daß er der Dienste eines Sekretärs nicht weiter benöthigt sey; und das andre enthielt einen Befehl an ihn, die Papiere, die zu seinem Sekretariat gehörten, abzuliefern; welche insgesammt in einer Briefchatulle von massiger Grösse hätten zusammen gelegt werden können. Er überreichte dem Herzoge die Siegel und einige Papiere, zu welchen er leicht gelangen konnte; was aber die andern betraf, in welchen verschiedene eigenhändige Aufsätze des Prätendenten, die dem Herzoge selbst Vorwürfe machten, enthalten waren, so sorgte er dafür, daß diese durch eine sichere Hand überbracht wurden, indem es sehr unschicklich gewesen seyn würde; wenn der Herzog selbst sie gesehen hatte. Wie er nun ohne Bedenken alle die Papiere, die in seinen Händen geblieben waren, überreichte, weil er entschlossen war, sich derselben nie zu bedienen, so versichert er auch, daß er insgeheim stolz darauf war, solche von seinen eignen Schriften nie abzufordern, die sich in den Händen des Prätendenten befanden, und begnügte sich damit, daß er dem Herzog zu verstehen gab, es sey nicht nöthig gewesen, auf eine solche Art sich von einem Manne los zu machen, dem es nur an Gelegenheit gefehlt habe, sich von dem Prätendenten und seiner Sache los zu sagen. In der That, wenn man auf der einen Seite die genommenen Maasregeln und auf der andern die Geschicklichkeiten des Mannes betrachtet, so wird man sich gar nicht wundern, daß er einer Parthei überdrüssig geworden ist, die weder zur Befestigung ihrer Hofnungen Grundsätze, und zur Beförderung derselben Einigkeit, noch Fähigkeiten hatte, dieselben in Bewegung zu setzen.

Nachdem nun Bolingbroke solchergestalt aus des Prätendenten Diensten entlassen war, so glaubte er, daß er auch zu gleicher Zeit von den Unruhen und von der Schande eines so niedrigen Amts frei seyn würde; er irrete sich aber. Kaum war er seines Amts entlassen, als auch schon Beschuldigungsartikel auf dieselbe Art gegen ihn vorgebracht wurden, wie er vorher in England war angeklagt worden, ob sie gleich für seine Person und für sein Vermögen nicht dieselben Wirkungen hatten. Die Artikel seiner Beschuldigung, die von dem Prätendenten vorgebracht wurden, theilten sich in sieben Haupttheile, in welchen er der Treulosigkeit, der Unfähigkeit und der Nachlässigkeit beschuldiget ward. Der erste war, daß er von denen, die der Geschäfte wegen zu ihm kamen, nie zu Hause gefunden worden; und daß er, wenn sie durch Zufall oder List seiner habhaft wurden, sich gestellt habe, als ob er in grosser Eile sey, sie auf eine andre Zeit bestellt, und so, ihnen eine Antwort zu geben, vermieden hätte. Der zweite war: der Graf von Mar habe durch sechs verschiedene Bothen, zu verschiedenen Zeiten, ehe der Prätendent nach Dünkirchen gekommen sey, sich über Mangel an Waffen und Kriegsvorrath beschweret, und um schleunige Hülfe gebeten; und ob es gleich in Bolingbrokes Macht gestanden hätte, das Gebetene zu gewähren, so hätte man doch in keinem von den Schiffen, die nach seinen Befehlen von Frankreich abgeseegelt wären, ein einziges Pfund Schiespulver gefunden. , Drittens: der Prätendent selbst habe nach seiner Ankunft den General Hamilton abgefertigt, ihm zu melden, daß sein Mangel an Waffen und Kriegsvorrath so gros sey, daß er, Schottland zu verlassen genöthigt seyn würde, wenn er keine schleunige Hülfe erhielte; und dennoch habe Bolingbroke den Hamilton zwölf Tage hinter einander aufgehalten, ohne ihn bei irgend einem von den französischen Ministern einzuführen, ob er gleich an dieselbe wegen einer besonderen Vorstellung der Angelegenheiten verwiesen war; oder ohne seine Briefe der Königin, noch sonst jemanden, zu kommuniciren. -, Viertens: der Graf von Castel Blanco habe verschiedene Monate zu Havre einen ansehnlichen Vorrath von Waffen und Ammunition gehabt, und den Lord täglich um Verhaltungsbefehle, was er damit machen solle, gebeten, aber nie einige erhalten. , Fünftens: des Prätendenten Freunde am französischen Hofe hätten vor einiger Zeit von des Lords Redlichkeit keine sonderlich gute, und von seiner Klugheit eine sehr schlechte Meinung gehabt. , Sechstens: zu einer Zeit, da viele Kaufleute in Frankreich insgeheim einen Vorrath von Waffen und Ammunition nach Schottland schaffen wollen, habe der Lord einen öffentlichen Befehl zum Einschiffen gefordert; und da dies etwas war, das man nicht bewilligen konnte, so soll der Lord es darum gefordert haben, um eine abschlägige Antwort zu erhalten. , Endlich: der Prätendent habe nach seiner Ankunft in Schottland bei jeder Gelegenheit an den Lord geschrieben; und ob er gleich viele Gelegenheiten, ihm zu antworten, gehabt habe, so habe er doch von der Zeit, da er gelandet war, bis auf den Tag, an welchem er es verlies, nie irgend ein Schreiben von dem Lord erhalten.

So waren die Artikel beschaffen, die, durch einen ausserordentlichen Glückswechsel, gegen Bolingbroke vorgebracht wurden, und dieses geschähe in weniger als einem Jahre, nachdem von der Gegenparthei in England ähnliche Artikel gegen ihn aufgesetzt waren. Es läßt sich nicht leicht ausfindig machen, was er gethan haben konnte, um solchergestalt auf allen Seiten anzustossen; allein er hatte um diese Zeit gelernt, seine Glückseeligkeit in dem Bewustseyn seiner Absichten zu setzen, und alle übrigen Menschen als solche zu betrachten, die sich in einer Parthei zur Unterdrückung der Tugend vereinigt hatten.

Ob es aber gleich demüthigend war, auf allen Seiten so verstoßen zu werden, so ließ er es doch nicht an sich fehlen, sich gegen alle zu rechtfertigen. Gegen diese Beschuldigungsartikel setzte er demnach eine wohl ausgearbeitete Antwort auf, in welcher er sich mit grosser Wahrscheinlichkeit vertheidigte. Er versichert darin: »er habe schon lange gewünscht, des Pratendenten Dienste zu verlassen, sey aber sehr verlegen gewesen, wie er sich bei einer so schweren Niederlegung seines Amtes zu verhalten habe; jedoch endlich, sagt er, besorgte der Prätendent und sein Rath alles für mich besser, als ich es selbst hätte thun können. Nach seiner Zurückkunft von Schottland war ich entschloßen, ihm zu folgen, bis sein beständiger Auffenthalt irgendwo würde bestimmt seyn; wenn ich hierauf den Tories hierin, welches ich als ihr letztes Bestreben nach Macht betrachtete, gedient haben, und in des Prätendenten Angelegenheiten bis zum Ende des Termins, für welchen ich mich bei ihm eingelassen hatte, geblieben seyn würde, so würde ich mich für freigehalten, und auf die höflichste Art meinen Abschied von ihm genommen haben. Wären wir so aus einander gekommen, so würde ich in meiner ganzen übrigen Lebenszeit in einer sehr seltsamen Lage geblieben seyn; auf der einen Seite würde derselbe geglaubt haben, daß er bei irgend einer künftigen Gelegenheit ein Recht habe, mich aus meiner Einsamkeit hervorzurufen, die Tories würden vermuthlich dasselbe geglaubt haben, mein Entschlus war gefaßt, es ihnen beiden abzuschlagen, und ich sähe vorher, daß beide mich verdammen würden: auf der andern Seite würde die Betrachtung, daß er mich mit Mässigung behandelt, und ich auch ehemals mich öffentlich für ihn erklärt hatte, ein Point d’honneur hervorgebracht haben, wodurch ich würde gebunden worden seyn, mich nicht nur nie gegen ihn einzulassen, sondern auch meinen Frieden im Vaterlande zu machen. Der Prätendent hieb diesen gordischen Knoren mit einem Schlag voneinander; et zerbrach die Glieder der Kette, mit welcher meine vorige Verbindungen mich befestiget hatten, und gab mir nun ein Recht, mich von allen Verpflichtungen gegen ihn so frei zu halten, als ich geblieben seyn würde, wenn ich mich nie in seine Diensie eingelassen hätte.«

Es ist nicht zu glauben, daß einer, der auf die Erhaltung seiner Ehre so sehr bedacht war, vorher seinen Herrn schändlich würde betrogen haben. Ein Mann, der eine so schandliche Rolle zu spielen sich bewußt wäre, würde keine Verteidigung übernommen haben, sondern die Beschuldigungen, die ihm keinen wesentlichen Schaden thun konnten, über sich stürmen lassen, und auf die Stille, die darauf folgen solle, ruhig gewartet haben. Er beruft sich, wegen der Redlichkeit seines Verhaltens in den damaligen Umständen, auf alle die Minister, mit welchen er zu thun hatte; und wäre er wirklich schuldig gewesen, so würde man, als er sich nach seiner Zurückkunft in England dem Ministerium widersetzte, gewis nicht ermangelt haben, seine Unredlichkeit zu brandmarken und zu entdecken. In der That war er vielleicht damals an des Prätendenten Hofe der uneigennützigste Minister. Da er in seinem Dienste grosse Summen von seinem eigenen Vermögen angewendet hat, und ihm nie für einen Heller verpflichtet seyn wolle, so glaubte er, in diesem Fall der einzige zu seyn. Seine Redlichkeit ist bei dieser Gelegenheit viel weniger anzuklagen, als sein Ehrgeitz; denn alle seine Schritte können füglich seinem Misvergnügen zugeschrieben werden, daß mit dem Herzog von Ormond und mit dem Grafen von Mar vertraulicher umgegangen ward, als mit ihm. Er strebte darnach, in jeder Staatsverwaltung allezeit der erste zu seyn, und er konnte es nicht ertragen, an einem so armseeligen Hofe, als des Prätendenten seiner war, wie ein Untergeordneter zu handeln.

Wahrend seiner ganzen Verbannung sehnete er sich noch immer insgeheim nach seinem Vaterlande, und würde eine jede Gelegenheit ergriffen haben, sich an die, in deren Händen die Macht war, zu wenden, um entweder seine gerichtlichen Verfolgungen zu massigen, oder die Anzahl seiner Feinde in England zu vermindern. Als er sein Amt bei dem Prätendenten annahm, machte er es sich zu einer Bedingung, daß es ihm frei stehen müsse, sein Amt nieder zu legen, wenn er es für dienlich halten solte, und da er nun in Ungnade entlassen war, so war er ganzlich darauf bedacht, sich mit England auszusöhnen, und alle seine erworbenen unglückliche Erfahrungen dazu anzuwenden, um seinen Freunden von den Tories ihren falschen Wahn zu benehmen, und die Einigkeit und Ruhe in seinem Vaterlande zu befördern. Es war seinen Hofnungen nicht wenig günstig, daß um diese Zeit, ob er gleich nichts davon wußte, der Graf von Stair, englischer Gesandte am französischen Hofe, völlige Macht erhalten hatte, sich mit ihm, als er in den Diensten des Prätendenten war, in Unterhandlungen einzulassen; der ihm aber doch nie einige Antrage thun ließ, welches man als die gröbste Beleidigung ansehen konnte. Allein nachdem der Bruch mit dem Prätendenten allgemein bekannt war, sandte der Graf einen gewissen Saladin, einen Genfer, an Bolingbroke ab, um ihm des Königs George gnädige Neigung, ihm Verzeihung zu gewähren, und seinen eigenen ernstlichen Wunsch, ihm nach seinem besten Vermögen zu dienen, bekannt zu machen. Dies war für Bolingbroke, in seinen damaligen armseeligen Umständen, eine zu günstige Anerbietung, als daß er sie hätte abschlagen sollen; er nahm sie, wie sichs gebührete, mit allem möglichen Gefühl der Gnade des Königs und der Freundschaft des Gesandten an. Sie hielten bald nachher über die Sache häufige Unterredungen. Die Wendung, die der englische Minister der Sache gab, war diese, daß sie einen Vergleich entwerfen wollen, um seine Achterklärung zu widerrufen, und die Bedingungen auszumachen, unter welchen dieser Gnadenbrief gewähret werden solle. Allein dieser Art der Unterhandlung wolte er sich keinesweges unterwerfen; die Vorstellung von einem Vergleich war ihm zuwider, und er beschloß, lieber nie wieder hergestellt zu seyn, als auf diese Weise. Er entdeckte sich daher dem Lord Stair ohne Zurückhaltung, und sagte ihm: er halte sich nach Ehre und Gewissen verbunden, seinen Freunden in England, sowohl in Rücksicht auf den Zustand der auswärtigen Angelegenheiten, als auch wegen der auswärtigen Behandlung der Jacobitischen Vortheile, und wegen der Beschaffenheit der Personen, ihren falschen Wahn zunehmen. In einem jeden von diesen Punkten wären sie, wie er wisse, sehr grob und gefahrlich betrogen. Er bemerkte ferner: die Begegnung, die er von dem Prätendenten und seinen Anhängern erhalten hätte, würde sein Verhalten vor der Welt rechtfertigen. Er könne versichert seyn, daß, wenn er auch Zeitlebens im Exil bleibe, er nie wieder mit der jacobitischen Sache etwas zu schaffen haben wolle; und daß er, wenn er wieder zurück kehren könnte, derselben einen nachdrücklichen Schlag versetzen werde, wenn er seine Schutzschrift machen würde, welche zu verfertigen der Prätendent ihn genöthigt hätte. Durch diese Arbeit schmeichle er sich, zur Befestigung der Regierung des Königs und der Einigkeit seiner Unterthanen etwas beizutragen. Er setzte noch hinzu: “Wenn derHof diese seine Versicherungen für aufrichtig hielte, so sei ein Vergleich mit ihm unnöthig; und wenn man sie nicht so glaubte, dann würde ein Vergleich für ihn gefährlich seyn.”

Der Graf von Stair, der diese Nachricht des Lords Bolingbroke auch in einem Briefe an Herrn Craggs bestätigt hat, gab seinen Meinungen über diesen Punkt gern seinen Beifall, und bald darauf billigte sie der König nach ihren Vorstellungen. Er erhielt demnach die Versicherung der Vergebung vom George I, der den 2ten Jul. 1716 seinen Vater zum Baron von Battersea in der Grafschaft Surry, und zum Vicomte St. John, ernennte. Dies schien das Vorspiel zu seiner eigenen Zurückberufung zu seyn; und anstatt einigen fernem ehrsüchtigen Entwürfen gegen die Regierung nach zu hängen, fieng er vielmehr an, seine Gedanken auf die Philosophie zu richten; und da er seinen Ehrgeitz nicht völlig befriedigen konnte, so suchte er die Kunst, ihn zu verachten, zu erlernen. Die Mannigfaltigkeit von traurigen Begegnissen, die bisher alle seine Bestrebungen begleitet hatten, nöthigten ihn endlich zu einem Zustand des Nachdenkens, und dies brachte, zu seiner Erleichterung, eine Consolatio philosophica hervor, die er noch in demselben Jahre schrieb, unter dem Titel: Betrachtungen über Verbannung. In dieser Schrift, in welcher er, wie er gesteht, die Manier des Seneka nachahmt, zeichnet er mit einigem Witz sein eigenes Bild, und stellt sich als einen vor, der, weil er seinem Vaterlande mit Geschicklichkeit und Redlichkeit gedient habe, Verfolgung leide. Ein Stand der Verbannung, den man sich so zuzieht, sey, wie er sehr richtig zeiget, mehr rühmlich, als traurig; und es gäbe in der That wenige Menschen, die leugnen werden, daß die Gesellschaft der Fremden für die Tugend besser sey, als die Gesellschaft der Feinde. Ausser dieser philosophischen Abhandlung schrieb er auch in diesem Jahre verschiedene Briefe zup Beantwortung der ihm von dem Prätendenten und dessen Anhängern aufgebürdeten Beschuldigungen und im folgenden Jahre schrieb er eine Verteidigung seines ganzen Verhaltens mit Rücksicht auf die Tories, in Gestalt eines Briefes an den Ritter Wilhelm Wyndham.

Indessen war er den Ermüdungen der Geschäfte nicht so sehr ergeben, daß er nicht auch dem Vergnügen einen Theil seiner Bestrebungen widmete.

Einen Abris von seiner Lebensart in dieser Einsamkeit findet man in einem Briefe von Pope an Swift, der keine Gelegenheit versäumt, den Lord in dem liebenswürdigsten Gesichtspunkte dar zu stellen. Dieser Brief ist von Dawley, dem vorgemeldeten Landgute, datirt, und fangt so an: “Ich schreibe jetzt für, Mylord Bolingbroke, der jetzt Ihren Brief zwischen zween Heuhaufen lieset; dessen Aufmerksamkeit aber etwas zerstreuet ist, da er seine Augen auf die Wolken richtet, nicht aus Bewunderung dessen, was Sie schrieben, sondern aus Furcht vor einen Regen. Es gefällt ihm, daß Sie ihm im Triumvirate, zwischen sich selber und mir, eine Stelle geben, wiewohl er sagt, er besorge, daß er das Schicksal des Lepidus haben werde, da der eine von uns mit der ganzen Macht, wie Augustus und der andre mit dem ganzen Vergnügen, wie Atonius, davon laufen wird. Weil er dieses vorher sieht, so hat er seinen Landsitz dazu eingerichtet, und Sie werden übereinstimmen, daß sein Plan zu einem eingezogenen Leben nicht auf einem schwachen Schein gegründet, sey. Nach seiner Zurückkunft von Bath findet er, daß er von der ganzen materia peccans gereinigt sey, und seine grosse Mässigkeit und Wirtschaftlichkeit ist ausserordentlich, daß die erstere für meine Leibesbeschaffenheit dienlich ist, und die andre Sie in den Stand setzen würde, sich so viel Geld zu sammlen, daß Sie sich ein Bisthum in England kaufen könnten. Wie er wiederum zu seiner Gesundheit und Stärke gelangt sey, könnten Sie, wenn Sie hier wären, von seinen Heumachern erfahren; und was seine Mässigkeit betrifft, so kann ich Ihnen versichern, daß wir, für einen ganzen Tag, zum Mittagsmal nichts weiter, als eine Brühsuppe von Hammelfleisch, Bohnen mit Schinken, und ein Stück von seinem Hofgeflügel gehabt haben. Da der Lord jetzt hinter seinem Karren hergelaufen ist, so habe ich einen Augenblick Zeit, Ihnen zu sagen, daß ich ihn gestern behorcht habe, wie er mit einem Mahler einig geworden ist, ihm den Saal in seinem Hause mit Harken, Grabscheiden, Mistgabeln und andern dergleichen Zierrathen, zu bemahlen, blos um dadurch die Benennung eines Meierhofs, die er diesem Orte beigelegt hat, zu bestätigen.” Was Pope hier von seinem Handel mit einem Mahler sagt, ward bald darauf ausgeführt; der Saal ward demnach blos mit schwarzer Tusche gemahlt, so daß man auf den ersten Blick glaubte, es waren Figuren, die man oft mit Holzkohlen, oder mit dem Rauche eines Lichts, an den Küchenmauern der Meierhauser gezeichnet stehet. Das Ganze brachte indessen eine sehrstarke Wirkung hervor, und über der Thüre, am Eingange derselben, las man dieses Motto: Satis beatus ruris honoribus. Der Lord schien in diesem Bestreben nach moralischer Ruhe, ungemein glücklich zu seyn, und in der Aufwallung seines Herzens konnte er nicht unterlassen, seinem Freunde Swift seine Zufriedenheit mitzutheilen. “Ich bin jetzt in meinem Meierhofe, sagt er, und hier schiesse ich starke und feste Wurzeln: ich habe mich, um mich eines Gärtnerausdrucks zu bedienen, in der Erde festgesogen, und weder meine Feinde noch meine Freunde, werden es leicht finden, mich zu verpflanzen.”

Es ist vielleicht kein stärkerer Beweis in der Welt, als den unser Lord davon gegeben hat, daß ein ehrgeiziges Gemüth nie recht unterdrückt werden kann, sondern noch immer nach jenen Befriedigungen streben wird, welche die Eingezogenheit nie gewähren kann. Diese ganze Zeit über irrete er sich in seiner Neigung zur Einsamkeit, und hielt etwas für eine Frucht der Philosochie, was nur die Wirkung der Milzsucht war. Umsonst bemühte er sich, in dem Schatten der Dunkelheit Wurzel zu fassen; er war ursprünglich in dem Glanze öffentlicher Geschäfte aufgewachsen, und insgeheim wünschte er sich, noch einmal verpflanzt zu werden. Er war nur ein Titularlord; er war noch nicht ganz wieder hergestellt; und da er von einem Sitze im Oberhause ausgeschlossen war, so quälte ihn die Ungeduld, eine Rolle auf dieser glänzenden Schaubühne zu spielen. Durch dieses Verlangen angetrieben, konnte er nicht länger in der Dunkelheit eingeschränkt seyn, sondern trat noch einmal in das Gewirrre öffentlicher Geschäfte, und, indem er alle Verpflichtungen gegen den Minister verwarf, trat er zur Gegenparthei über, in welcher er verschiedene mächtige Mitgehülfen hatte: vorläufig aber hatte er dafür gesorgt, eine Bittschrift ins Unterhaus einzugeben, und darin zu ersuchen, zu seinen vormaligen Vortheilen und Würden wieder hergestellt zu werden. Diese Bittschrift verursachte anfanglich sehr heftige Debatten; Walpole, der vorgab, sich seiner Sache anzunehmen, behauptete, es sey recht, dem Lord zu seinen angeerbten Vortheilen zu verhelfen; und als der Lord Wilhelm Pawlett für einen Schluß sprach, ihn unfähig zu erklären, daß er weder in dem einen noch in dem andern Hause Sitz und Stimme haben konnte, so verwarf Walpole den Antrag, und verließ sich insgeheim auf einen Entschlus, der im Kabinet festgesetzt war, daß er nie wieder zu irgendeinem Antheil an Macht zugelassen werden solle. Dieser listige Kunstgriff, seinen Versicherungen auszuweichen, war unserm Bolingbroke nicht unbekannt; und er war nun entschlossen, die Macht zu erschüttern, die solchergestalt den Wachsthum seiner eigenen zu verhindern suchte. Da er nun sich mit Pultney auf die Seite der Gegenparthei geschlagen hatte, und der letztere das Unterhaus zu regieren suchte, so nahm Bolingbroke es auf sich, das Volk zu erleuchten. Er zeichnete sich daher bald durch eine Menge von Aufsätzen aus, die er während dem letzten Theile der Regierung George des ersten, und auch im Anfange der Regierung seines Nachfolgers, schrieb. Diese waren mit grosser Stärke und Kühnheit abgefaßt; und da er sich nun einmal wieder, wiewohl entwafnet, geknebelt und gebunden, wie er selbst sich ausdrückt, sich zum Dienste seines Vaterlandes verpflichtet hatte, so war er fest entschlossen, seine Sache nicht fahren zu lassen, so lange er sich auf die Beständigkeit und Redlichkeit jener Mitgehülfen verlassen konnte, die nicht mit solchen nachtheiligen Umständen, wie er, zu kämpfen hatten. Seine Briefe in einer Schrift, der Craftsman genannt, zeichneten sich in diesem politischen Streite besonders aus, und obgleich verschiedene von den erfahrensten Staatsmännern der damaligen Zeiten an dieser Schrift Antheil hatten, so gefielen doch dem Publikum seine Aufsitze vorzüglich. Indessen ist es nun einmal das Schicksal der Gelegenheitsschriften, daß sie diese Gelegenheit selten überleben. Obgleich der Craftsman mit grossem Verstande und vieler Scharfsinnigkeit geschrieben ist, so ist er doch jetzt meist vergessen, wenn er schon, als er wie eine Wochenschrift heraus kam, weit schneller abgieng, als selbst der Zuschauer. Ausser diesem Werke gab er noch verschiedene andre besondre kleine Schriften heraus, die hernach in der zweiten Ausgabe seiner Werke wieder aufgelegt wurden, und zu ihrer Zeit bei dem Volke sehr beliebt waren.

Dieser politische Felbzug dauerte zehn Jahre, während welcher Zeit er sehr stark und anhaltend arbeitete, und ein solches System von Politik entwarf, daß es einige für das vollkommenste jetzt vorhandene gehalten haben. Allein wie bei allen andern Gelegenheiten, so hatte er auch jetzt wieder die Kränkung, sich von jenen Freunden, auf deren Beistand er sich am meisten verließ, verlassen zu sehen, und zu erfahren, daß das ganze Spinnengewebe der fein gesponnenen Spekulation, durch die Unwissenheit einiger, und durch die Treulosigkeit andrer, auf einmal vernichtet ward. Er versicherte hierauf, daß er von seinem patriotischen Wahnsinn völlig geheilet sey; er verfiel nicht nur mit Pultney wegen seiner eigennützigen Absichten, sondern auch mit seinen alten Freunden, den Tories, weil sie ihre Sache, als ohne Hofnung, aufgaben und versicherte, daß die schwache und unbeständige Uebung der Fälligkeiten auf der einen Seite ein Verbrechen sey, das nur um einen Grad geringer wäre, als die ungerechte falsche Anwendung derselben auf der andern Seite. Allein er konnte doch nicht von diesem Streite, in welchen er so viele Jahre verwickelt war, Abschied nehmen, ohne zum Abschiede noch einen Schlag zu versetzen, worin er alle seine Kräfte zu sammeln schien, und wo er, wie der Dichter sagt,

Animan in vulnere posuit.

dieses vortrefiiche Stück führt den Titel einer Handlung über Partheien, und wird von allen seinen meisterhaften Stücken durchgänagig für das Beste gehalten.

Nachdem mit dieser Schrift, die mit der grossen Begierde gelesen ward, fertig war, entschlos er sich, nicht nur von seinen Freunden und Feinden, sondern auch selbst von seinem Vaterlande, Abschied zu nehmen; und nach dieser Entschliessung begab er sich noch einmal nach Frankreich, woselbst er auf sein Vaterland mit einer Vermischung von Unwillen und Mitleiden zurück sähe, und auf seine vormalige vorgegebene Freunde mit Verachtung und Widerwillen. Er sagt: “von den vornehmsten Spielern, die gegenwärtig die Bühne betreten, erwarte ich wenig. Sie sind wegen der Maasregeln nicht so sehr getheilt, als es schien, und als sie wollen, daß man glauben solle. Die wahre Zertheilung betrift ihre verschiedene Absichten. So lange der Minister nicht stark angetrieben ward, und die Hofnung eines glücklichen Erfolgs ihm nicht nahe war, so lange schienen sie, nur einen Zweck zu haben, nämlich die Reformation der Regierung. Die Verstossung des Ministers ward nur als ein vorläufiges Mittel zu diesem Zweck, das aber doch von einer wesentlichen und unstreitigen Nothwendigkeit sey, betrieben. Nachdem aber seine Verstossung sich zu nähern schien, beschäftigten sich viele mit dem Gegenstande seiner Nachfolge, ünd von der Reformation der Regierung war nicht länger die Rede. Man hatte, wenigstens in Gedanken, die Haut getheilt, ehe man das Thier gefangen hatte. Die gemeine Besorgnis, den Fall des Ministers für andre zu beschleunigen, machte, daß sie alle in der Jagd ermüdeten. Dieser Umstand, und dieser allein, war es, der ihn rettete.”

So waren seine ruhigere Betrachtungen beschaffen, nachdem er seine politische Feder niedergelegt hatte, um sie auf eine Art zu gebrauchen, die seinen gewöhnlichen Versicherungen, und seinem herannahenden Alter, weit angemessener war. Er hatte schon lange die wenigen Stunden, die er entübrigen konnte, auf Materien, die für die Vortheile der Menschen gemeinnütziger waren, gewendet; da er aber durch das Geräusch der Partheien oft unterbrochen ward, so konnte er es in dieser Arbeit nicht weit bringen. Indessen verlohr er sie doch nie aus den Augen, und er gedenkt oft in seinen Briefen an Swift seines Vorsatzes, der Metaphysik eine neue und nützliche Wendung zugeben. In einem von diesen Briefen sagt er: “ich weiß, wie wenig Sie aus Schriften von dieser Gattung machen; ich glaube aber, daß, wenn Ihnen irgend einige gefallen können, es solche seyn müssen, die die Metaphysik von allem ihren Bombast entblössen, sie dem Anblick eines jeden gesunden Auge darstellen, und sich nie selbst verirren, wenn sie der Vernunft andrer den Weg weisen wollen.”

Nachdem er nun das sechzigste Jahr seines Alters erreicht hatte, und mit einem zureichenden Vermögen gesegnet war, begab er sich nach Frankreich, fern von dem Geräusche und Getümmel der Partheien; denn sein Landsitz zu Dawley war zu nahe, als daß er den übrigen Theil seines Lebens der Eingezogenheit und den Wissenschaften hätte widmen können. Da es allgemein bekannt war, daß Verachtung, Verdruß, und fehlgeschlagene Hoffnungen ihn vertrieben hatten, so geschähe es, daß, nachdem er sich nach Frankreich begeben hatte, viele von seinen Freunden sowohl als Feinden glaubten, daß er abermals zum Prätendenten übergegangen sey. Unter solchen, die diesem Verdachte Raum gaben, war auch Swift, den Pope, in einem von seinen Briefen, tüchtig ausschilt, daß er eine so ungerechte Meinung beherberge. “Sie sollen, sagt er, vorsichtig seyn, wenn Sie irgendeine Bewegung oder Handlung des Lords Bolingbroke tadeln, denn Sie hören sie nur von einfältigen, neidischen und boshaften Zeitungsträgern. Was Sie seinetwegen an mich schreiben, finde ich zu meinem grossen Verdruß in einem von ihren Briefen an einen andern wiederholet. Was Sie auch immer mir zu verstehen geben konnten, war dieses wohl für die Profanen? Wenn die Sache wahr wäre, so solle man sie verhehlen; allein sie ist, ich versichre Ihnen, in jedem Umstande schlechterdings falsch. Er hat sich in einer sehr angenehmen Einsamkeit nahe bei Fontainebleau niedergelassen, und macht es zu seinem einzigen Geschäfte “vacere litteris.”

Dieser Verweis war eben so freundschaftlich, als er wahr war. Bolingbroke war mit dem hofnungslosen Zustande jener Parthei, und mit der Thorheit ihrer Anführer, viel zu gut bekannt, als daß er sich in ihre verzweiflungsvollen Angelegenheiten noch einmal einlassen solle. Er sähe nun ein, daß er, zu seiner Wiederherstellung in den völligen Besitz seiner vormaligen Ehrenstellen, so weit gegangen sey, als er durch die blosse Kraft seiner Fähigkeiten und Bemühungen gehen konnte, und war endlich durch eigene Erfahrungen überzeugt worden, daß der Rathschlus gegen ihn schlechterdings unwiederruflich, und die Thüre des Oberhauses für ihn verschlossen sey. Er zog sich daher aus Popes Rath, blos darum zurück, um von dem Getümmel der Gegenparthei befreiet zu seyn, und für die ruhigeren Vergnügungen der Philosophie Musse zu haben. So ward der Abend seines Lebens, ob er gleich minderglänzend war, doch liebenswürdiger; und selbst seine Zufriedenheit ward durch sein Alter vergrössert, das seine Leidenschaften gemässigter und seine Wünsche erreichbarer gemacht hatte.

Allein selbst in der Einsamkeit war er weit entfernt, seine Stunden in träger Unthätigkeit wegschleichen zu lassen. Jene geschäftige rastlose Neigung fuhr noch fort, seine Bestrebungen zu beleben; und nachdem er die rechte Zeit, über seine Zeitgenossen Macht zu erlangen, verlohren hatte, war er nun entschlossen, bei den Nachkommen Ruhm zu erwerben. Er war noch nicht lange in seiner Einsinnkeit nahe bei Fontainebleau gewesen, als er anfing, eine Folge von Briefen über das Studium und den Nutzen der Geschichte für einen Jungen von Adel zu schreiben. In diesen folgt er nicht den Methoden des St. Real und andrer, die über diese Materie geschrieben haben, die die Geschichte zur Hauptquelle aller Erkenntnis machen; er schränkt sehr weislich ihre Vortheile ein, und hält dafür, daß dieselben mehr darin bestehen, daß man allgemeine Grundsätze von besondern Thatsachen herleitet, als daß man die Grundsätze durch Anwendung historischer Stellen erläutert. Wenn er der Kirchengeschichte gedenkt, so sagt er sehr frei seine Meinung über die Materie von dem göttlichen Ursprung der heiligen Bücher, von welchen er glaubt, daß sie keinen solchen Grund haben. Dieses neue System des Denkens, das er allezeit im Umgange fortgepflanzt hatte, und das er jetzt in seinen ausgearbeitetem Schriften anzunehmen anfieng, schien keinesweges, weder durch seine Scharfsinnigkeit, noch durch seine Gelehrsamkeit, unterstützt zu seyn. Er fieng zu spät in seinem Leben an, über diese Materien nachzudenken, und jene Einwürfe für neu und unbeantwortlich zu halten, die schon von Tausenden waren widerlegt worden. “Lord Bolingbroke, sagt Pope in einem seiner Briefe, ist weit über das Läppische erhaben; wenn er von irgendetwas in dieser Welt schreibt, so ist er mehr, als ein Sterblicher. Wenn er je läppisch ist, so muß es seyn, wenn er ein Gottesgelehrter seyn will.”

Da es indessen offenbar war, daß ein Mann von seinem geschäftigen Ehrgeitze, der die Einsamkeit wählte, als er nicht länger öffentlich regieren konnte, sich lächerlich machen mußte, wenn er eine demüthige philosophische Miene annahm; so richtete er, um diesem Tadel auszuweichen, einen Brief an den Lord Bathurst über den wahren Nutzen der Eingezogenheit und des Studierens; in welchem er darthat, daß er noch sähig und willig sey, sich der Sache seines Vaterlandes anzunehmen, so oft die Noth desselben seine Anstrengung erfordern solle. “Ich habe, sagt er, weder meinem Vaterlande, noch meinen Freunden entsagt; und durch meine Freunde verstehe ich alle die, und diese allein, die auch solche gegen ihr Vaterland sind. In ihrem Glücke sollen sie nie von mir hören; in ihrem Unglücke allezeit. In der Einsamkeit, in welcher der übrige Theil meiner Tage zugebracht werden soll, kann ich denselben von einigem Nutzen seyn; denn ich kann sie auch von hier erinnern, ermahnen und warnen.” Da nun sein Sinn nur darauf gerichtet war, und er den muntern Staatsmann mit dem ernsthaften Philosophen vertauscht hatte, so erschien er in einem besondern Lichte. Sein Umgang nahm eine ganz andre Wendung als die ihm sonst gewöhnlich war; und Lord Orrery, der ihn kannte, versichert uns, daß er darin die Weisheit eines Sokrates, die Würde und Ruhe eines Plinius, und den Witz eines Horaz vereinigt habe.

Allein mitten unter diesen seinen Entschliessungen, sich von politischen Angelegenheiten abzuwenden, und sich gänzlich dem Rufe der Philosophie zu ergeben, konnte er dennoch nicht widerstehen, sich nochmals in die Streitigkeiten seines Vaterlandes einzulassen. Nachdem er aus Frankreich zurückgekehrt war, liess er sich zu Battersea nieder, einem alten Landsitze, der seinem Vater zugehört hatte, und lange im Besitze der Familie gewesen war. Er glaubte, eine drohende Noth vorherzusehen, und ob es gleich nicht in seiner Macht stand, dieselbe weg zu schaffen, so hielt er es doch für seine Pflicht, ihre Ankunft zu verzögen. Die Nation vorm Verderben zu retten, hielt er für unmöglich, weil Nationalverderbnisse durch Nationaltrübsale gereinigt werden müßten; allein er war enlschlossen, zum Aufhalten des Stroms, der einbrechen wollte, seinen schwachen Beistand zu leisten. In dieser Gesinnung schrieb er die vortreffliche Abhandlung, die den Titel führt: das Bild eines patriotischen Königs, worin er einen Monarchen schilderte, der sich nicht von Partheien regieren ließ, den Eingebungen weder der Whigs noch der Tories traute, sondern der gleiche Freund und Vater von allen war. Einige Zeit nachher, im Jahr 1749, nach dem Friedensschlus, ehe die von der Staatsverwaltung genommenen Maasregeln seinen Begriffen von politischer Klugheit in den damaligen Zeitumständen nicht zuwider gewesen zu seyn schienen; in diesem Jahre, sage ich, setzte er seine letzte Schrift auf, enthaltend Betrachtungen über den damaligen Zustand der Nation, besonders in Rücksicht auf ihre Auflagen und Schulden, wie auch über die Ursachen und Folgen derselben. Diese Unternehmung ward unvollendet hinterlassen, denn der Tod riß die Feder aus den Händen des Schreibers.

Nachdem er nun den letztern Theil seines Lebens in Ansehen und Würde zugebracht, seine vernünftigen Fähigkeiten durch Nachdenken weiter ausgebildet, und seinen Ehrgeiz durch fehlgeschlagene Hoffnungen besiegt hatte, so schien sein ganzer Zweck zu seyn, die Schaubühne des Lebens, auf welcher er so verschiedene Rollen gespielt hatte, mit Beifall zu verlassen. Er hatte lange gewünscht, zu Battersea, seinem Geburtsorte, zu sterben; und das Glück, das in seinem ganzen Leben, allen seinen Absichten entgegen zu stehen schien, gewährete ihm endlich diese letzte. Er war schon lange mit einem Krebsschaden an seiner Wange beschweret gewesen, und an dieser schmerzhaften Krankheit starb er gegen den Anfang seines achtzigsten Jahres. Er blieb bis zuletzt sich selber gleich, und jene Grundsätze, die er beständig behauptet hatte, bestätigte er mit seinem letzten Athemzug; denn er hatte befohlen, daß niemand von der Geistlichkeit zu ihm gelassen werden, und ihn in seinen letzten Augenblicken beunruhigen solle.

Sein Leichnam ward in der Kirche zu Battersea bei seinen Vorfahren begraben, und ein Grabmal von Marmor zu seinem Andenken errichtet, mit folgender schönen Inschrift:

»Hier liegt Heinrich St. John, unter der Regierung der Königin Anne Kriegssekretär, Staatsekretär, und Vicomte Bolingbroke. Unter den Regierungen des Königs George I und des Königs George II etwas mehreres und besseres. Seine Anhänglichkeit an die Königin Anne setzte ihn einer langen und harten Gerichtsverfolgung aus, die er mit standhaftem Gemüth ertrug. Er brachte den letztern Theil seiner Zeit in seinem Vaterlande zu; der Feind von keiner Nationalparthei; der Freund keiner Faction. Unter der Wolke der Achtserklärung, die nicht gänzlich aufgehoben ward, zeichnete er sich durch Eifer aus, die Freiheit Grosbrittanniens zu behaupten, und dessen alte Wohlfart wieder herzustellen. Er starb den 12 ten December 1751, 79 Jahre alt.«

Auf diese Art lebte und starb Lord Bolingbroke; allezeit thätig, nie unterdrückt, allezeit nach Glück strebend, und beständig von demselben hintergangen. Aus welchem Gesichtspunkte man auch seinen Karakter her betrachtet, so wird man an ihm einen Gegenstand finden, der mehr Bewunderung als Nachahmung verdient; mehr zu fürchten als werth zu schätzen ist; und der unsre Bewunderung ohne unsre Liebe an sich ziehet. Sein Ehrgeitz strebte immer nach dem Gipfel der Macht, und nichts schien im Stande zu seyn, seine unmässiqe Begierden zu befriedigen, als die Freiheit, alles ohne einen Nebenbuhler zu regieren. Mit eben so vielem Ehrgeitz, mit eben so vielen Fähigkeiten, und mit noch mehr erlangten Kenntnißen, als Cäsar hatte, fehlte es ihm nur an deßen Muth, um eben so glücklich zu seyn; allein die Entwürfe, die sein Kopf gemacht hatte, wolle sein Herz oft nicht ausführen; und er verlohr das Vermögen zu wirken gerade zu der Zeit, wenn die grosse Gelegenheit alle seine Kräfte zum Wirken aufforderte.

Der nämliche Ehrgeitz, der ihn, ein Staatsmann zu seyn, antrieb, belebte ihn auch als Philosoph. Seine Entzwecke waren in beiden Rücksichten gleich gros und ausgebreitet: unwillig, sich irgend einer Macht in der einen, oder irgend einem Ansehen in der andern zu unterwerfen, betrat er die Felder der Wissenschaften mit einer völligen Verachtung alles dessen, was vor ihm war festgesetzt worden, und schien alles für unrecht zu halten, damit er seine Fähigkeiten in der Verbesserung beweisen möchte. Zu seiner Ruhe, als ein Mensch, würde es vielleicht besser gewesen seyn, wenn er sich begnügt hätte, in einem Staate eine niedrigere Rolle zu spielen; und es würde gewis für sein Andenken, als ein Schriftsteller, besser gewesen seyn, wenn er sich bemüht hatte, weniger zu thun, als er versuchte. Weisheit in dem sittlichen Verhalten ist, wie jede andre Kunst oder Wissenschaft, ein aufgesammleter Schatz, zu dessen Vermehrung sehr viele beigetragen haben; und es schickt sich nicht für einen einzelnen Menschen, zu behaupten, daß er zu der Sammlung mehr zusetzen könne, als die Tausende, die vor ihm gewesen sind. Solche Neuerer setzen öfter die Wissenschaft zurück, als daß sie sie befördern sollen; ihre Grundsätze sind, weil sie zu ihrer Empfehlung den Schein der Neuheit haben, dem dieser angenehmer, als jene, die alt sind, nur darum, weil sie wahr sind. Solchen Männern wird daher anfänglich mit grosser Begierde gefolgt; und es geschieht auch erst nach einiger Zeit, daß ihre Schüler anfangen, ihren Irrthum gewahr zu werden. Sie bemerken oft, wiewohl zu spät, daß sie einer spekulativen Untersuchung gefolgt sind, indem sie ein praktisches Gut verlassen haben; und indem sie die Künste des Zweifelns ausgeübt, haben sie alle Festigkeit der Grundsätze verlohren, die dazu hätten dienen können, die Richtigkeit ihres Privatverhaltens zu befestigen. Als ein Sittenlehrer scheint also Lord Bolingbroke dadurch, daß er nach zu viel gestrebt hat, nichts gethan zu haben: allein als ein politischer Schriftsteller können weniger ihm gleich kommen, und keine ihn übertreffen. Da er ein praktischer Staatsmann war, so sind seine Schriften minder mit jenen spekulativen Täuschungen angefüllt, die das Resultat der Einsamkeit und Absonderung sind. Er schrieb sie in der Gewisheit, daß sie widersprochen, gesichtet, geprüft und verschmähet werden würden; er sorgte also dafür, sie von solchen Materialien zu erbauen, die nicht leicht umgestossen werden könnten: sie wurden zu den Zeiten, in welchen sie geschrieben wurden, geachtet; sie gereichen noch zur Bewunderung des gegenwärtigen Zeitalters; und werden vermuthlich immer fortdauren.

(Diese Lebensbeschreibung ist vom Dr. Goldsmith aufgesetzt, und finden sich in den Miscalleneous and fugitive pieces, London, 1774, Vol. 3, S. 87 etc. etc.)

Nach Bolingbrokes Tode gab David Maller Esq. (von welchem im ersten Bande dieser Biographie Nachrichten vorkommen) heraus: the philosophical Works of the Right Honorable Henry St. John, Lord Viscount Bolingbroke, in fünf Octavbänden, London, 1754; von welchen ich noch zur Vollständigkeit dieser Lebensbeschreibung den Inhalt anzeigen muß. Der erste Band enthält den ersten Versuch über die Beschaffenheit, den Umfang und die Wirklichkeit der Menschlichen Erkenntnis, nebst dem Anfange des zweiten Versuchs über die Thorheit und Vermessenheit der Philosophen, besonders in Sachen der ersten Philosophie; über den Ursprung und Fortgang ihrer geprahlten Wissenschaft; über die Fortpflanzung des Irrthums und Aberglaubens; und über die einseitigen Versuche, die zur Verbesserung der Misbräuche der menschlichen Vernunft geschehen sind. Dieser Versuch wird im zweiten Bande fortgesetzt, in welchem man zugleich findet den dritten Versuch, der einige Betrachtungen enthält über den Ursprung und Fortgang des Monotheismus, dieses ersten und grossen Grundsatzes der natürlichen Religion, oder der ersten Philosophie; wie auch den vierten Versuch über das Ansehen in Sachen der Religion, welcher Versuch auch fast den ganzen dritten Bande einnimmt, worin aber zuletzt die Bruchstücke oder Entwürfe von Versuchen anfangen, welche im vierten und fünften Bande fortgesetzt werden. Die beiden letzten Stücke des fünften Bandes sind: der wesentliche Inhalt einiger Briefe, die ursprünglich um das J. 1720 als Herrn de Pouilly im Französischen geschrieben sind; und ein Brief, veranlaßt durch eine von des Erzbischofs Tillotsons Predigten.

J. P. Bamberger, John Nichols: Biographische und litterarische Anekdoten von den berühmtesten großbritannischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts. Berlin, 1787.

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